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Dez
01
Ein Tag im Leben eines jungen Delfins
© Martina Müller

Das Licht schimmerte durch das blaue Meerwasser, als ich spürte, wie mich drei Delfinschnauzen meiner Tanten an die Wasseroberfläche schoben, damit ich meinen ersten Atemzug machen konnte. Wenige Augenblicke nach mir tauchte auch meine Mutter auf und atmete mit einer lauten Dampfwolke, dem Blas, aus. Nachdem ich genug Luft in mich aufgesogen hatte, suchte ich ihre Zitzen auf, um ihre nahrhafte Milch aufzunehmen. Dazu drehte sie sich leicht auf die Seite. Erst als ich satt war, nahm ich die verschiedenen Laute der anderen Delfine um mich herum wahr. Jeder einzelne wiederholte immer eine gleiche Tonabfolge. Jede einzelne so verschieden, wie die jedes einzelne Tier. War diese einzigartige Melodie jeden Delfins sein Name? Bald begann auch ich einen Namen zu pfeifen, meinen Namen. Er kam aus meinem Inneren und ich brauchte nicht lange über ihn nachzudenken. Ich schwamm zu meiner Mutter und wir pfiffen uns beide unsere Namen zu.

Schon wenige Stunden nach meiner Geburt war ich putzmunter und freundete mich bald mit einem anderen Delfinmädchen an. Langsam näherten wir uns einander und sie teilte mir ihren Namen mit und ich rief ihr meinen zurück. Wir begannen miteinander zu spielen. Sie machte ein paar Luftblasen, die sich in einem großen Kreis ausbreiteten und ich rauschte durch diese hindurch. Genauso wie die großen Delfine sprangen wir auch immer wieder aus dem Wasser hinaus und drehten uns um unsere eigene Achsen und klatschten zurück ins Wasser. Wir hatten Spaß daran, wenn das Wasser um uns herum aufspritze und außerdem wurden wir kleine, lästige Fische los, die sich immer mal wieder auf unsere Haut setzten.

Mit der Zeit lernte ich unsere Sprache immer besser zu verstehen. Wann immer ich einem Delfin aus der Gruppe begegnete, rieben wir zur Begrüßung unsere Flipper, das heißt unsere Brustflossen, aneinander und sogar manchmal unsere ganzen Körper, wenn wir uns sehr mochten. Aber im Spiel bekam jeder mal einen kleinen Stoß oder Biss ab, wenn wir zeternd uns umher drehten und durch die Wellen tobten, besonders die Jungs unter uns übertrieben es schon mal und so gab es auch Tage, an denen wir Mädchen unter uns blieben.

Jedes Spiel endete damit, dass mich Mutter zu sich rief und ich meinen Namen wiederholend zu ihr schwamm oder ich schon davor erschöpft zu ihr schwamm und mich an sie schmiegte…

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