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Gift under the rainbow

© Bernd Schneid

Als ich am 29. Oktober, spät, nach 13 Uhr erwachte, spürte ich sowohl den warmen Atem meines Mädchens im Nacken, als auch den stechenden Schmerz im Kopf, stand auf, wackelte schlaftrunken, noch mit Verkrustungen um die Augen, verwirrt vom Alkohol, zur Schublade, wo ich mir eine Alka-Seltzer® aus der Verpackung drückte, die ich in ein in der Nähe des Schreibtisches stehendes halb volles, abgestandenes Wasserglas sprudeln ließ, das ich in einem langen Zug leerte. Mein Mädchen murmelte irgendeinen mir unbekannten Namen und kuschelte sich, das ganze Bett nun für sich beanspruchend, ins noch schlaffeuchte Laken.

Nach der verspäteten Morgentoilette schlenderten wir über die regennassen Straßen und redeten fast gar nicht. Die U-Bahnhaltestelle bei der Poccistraße schien mir wie ein Eingang in eine unterirdische Stadt.

In der U-Bahn sitzend, ich und mein Mädchen waren gerade, wie wir es immer waren, in unsere Bücher vertieft - sie las eine Episode der verlorenen Zeit von Proust, ich Roland Barthes Fragmente einer Sprache der Liebe - sprach mich eine Frau um die Vierzig an, zu ihren Füßen einen schwer atmenden Schäferhund.

- Die Schweine. Hundehasser. Geht's denn hier auch zur Münchener Freiheit?

Ich, von meiner Lektüre aufgeschreckt, starrte sie ungläubig an, nickte gedankenverloren, um weiter in meinen Fragmenten zu stöbern und hörte sie weiter lamentieren.

- Mann weiß ja nie wer einen in die Irre leitet. Kein Gewissen. Die wollen sie vergiften. Gift. Immer das Gleiche. Die verdammten Menschen.

Die ärmlich gekleidete Frau streichelte sanftgedrungen ihren Hund und zog an seinem Fell. Der Hund reagierte kaum.

- Abnehmen, Schatzi. Du musst abnehmen. Der Doktor hat dir gesagt, du sollst abnehmen. Dann kommst du wieder in Form, wirst 80 Jahre alt. Wie ein Mensch. Du verlässt mich nicht, gell? Nein, du nicht.

Diese Stelle ist ganz unscheinbar: eine Geste, ein Wort, ein Objekt, ein Kleidungsstück, irgend etwas Ungewohntes, das in einem Bereich zum Vorschein kommt, von dem ich das nie vermutet hätte, und das geliebte Wesen jäh in eine seichte Welt zurückversetzt. Als ich mir Gedanken über diesen Abschnitt machte, schaute ich ostentativ auf die unscheinbaren, blonden Härchen über den Lippen meines Mädchens, daran denkend, wie ich sie letzte Nacht noch liebkost hatte, als mir direkt hinter ihrer linken Schulter ein anderes Mädchen auffiel. Sie hatte lange, brünette, modisch gestufte Haare und sah träumend in die Leere der Fenster der U-Bahnschächte. Irgendwie erinnerte sie mich an eine der Protagonistinnen aus einer amerikanischen Vorabendserie, an die ich mich nicht erinnern konnte. Ich fing an sie ausgiebig anzustarren.

- Gift.

Meine Freundin fokusierte mich und drehte die Augen. Die Frau redete unaufhörlich auf die still schweigenden Passagiere der U-Bahn ein.

- Die wollen meinen Schatzi vergiften. Hundehasser. Alle. Der Doktor hat mir's gesagt. Mein Schatzi hat so gekotzt. Das sind keine Menschen. Was macht so ein Tier denn? Gell, mein Schatzi? Du bist lieb. Hier geht's doch zur Münchener Freiheit? Wissen sie, ich habs nicht leicht gehabt, das letzte halbe Jahr.

Ihr Haar hatte einen speziellen Glanz, dessen ich mich nicht in der Lage fühle zu beschreiben. Ich dachte an eine Nacht mit ihr, hoffte, dass sich ihr Blick mir zuwandte, oder wenigstens in Richtung der Frau, um mich in die Lage zu versetzen ihren Blick aufzufangen.

- Wissen sie, die Welt ist schlecht. Was soll man denn machen? Ich kann doch nichts machen. Gell, mein Schatzi? Du bist mir treu. Einsperren sollte man die.

Ich betrachtete abwechselnd mein Mädchen und das Mädchen hinter ihr. Obwohl ich es nicht gerne eingestehe, so muss ich doch zugeben, dass ich mir in jenem Moment wünschte, dass nicht sie, sondern, das Mädchen aus der amerikanischen Serie, die mir nicht einfiel, mein Mädchen wäre. Ich fieberte für einen kurzen Augen-Blick mit ihr, bis sie am Odeonsplatz aufstand und ausstieg.

- Passen sie auf. Überall Hundehasser. Seien sie vorsichtig.

Sie drehte sich zu der Frau um und lächelte verlegen. Mich hat sie nicht beachtet. Also las ich weiter in den Fragmenten.

Sie ist nicht mehr die Andere, sondern eine unter anderen.

Nachdem wir uns mit einem Kuss voneinander verabschiedet hatten, ging ich die Schellingstraße entlang und dachte darüber nach, weshalb jemand Tiere vergiften wollte, als mich eine Frau auf dem Gehsteig am Kittel zerrte und mich auf den über der Ludwigskirche entstandenen Regenbogen aufmerksam machte.

- Schön. Nicht wahr?

- Ja, schön.

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