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Holly und der alte Mann

© Nessi Dominkus


"Mami Mami, du glaubst nicht, was ich heute erlebt habe." Aufgeregt stürmte Holly in die Wohnung.
"Jetzt beruhige dich erst einmal, und dann erzählst du es mir", entgegnete Hollys Mutter, während sie ihrer Tochter die Schultasche abnahm.
"Du weißt doch, dass ich auf dem Nachhauseweg von der Schule, an einem kleinen Park vorbeikomme. Heute saß dort ein alter Mann auf der Bank. Er hatte keinen Mantel an. Nur alte Lumpen. Ganz traurig hat er mich angesehen. Mami, das kannst du dir gar nicht vorstellen." "Holly", sagte ihre Mutter streng, " ich habe dir doch verboten, stehen zubleiben, wenn dich fremde Leute ansprechen." "Aber Mami", widersprach Holly, " er hat mich doch gar nicht angesprochen. Er hat mich nur traurig angesehen. Ich glaube er hatte Hunger. Ich habe ihm dann den Rest von meinem Pausenbrot gegeben.
"Holly", sagte die Mutter einen Ton schärfer. "Du weißt, dass ich das nicht möchte." Holly sah ihre Mutter fragend an und sagte: "Aber Mami, ich war doch nicht alleine. Meine Freundin die Susi war doch dabei. Die hat ihm dann den Rest ihrer Cola geschenkt. Ich glaube, der hatte auch Durst." "Und dann, wollte die Mutter wissen. "Gar nichts", sagte Holly. "Er hat sich bedankt, und wir sind weiter gegangen." Die Mutter schnaufte hörbar aus. Dann sagte sie: "Weißt du Holly, das war bestimmt ein Obdachloser." "Was ist ein Obdachloser, Mami", wollte Holly wissen.
"Obdachlose sind arme Menschen. Sie haben keine Wohnung, und auch kein Geld um sich Essen und Kleidung zu kaufen", klärte die Mutter ihre Tochter auf. " Aber nun setz dich. Das Mittagessen ist schon fertig. Und dann, gehst du in dein Zimmer und machst deine Hausaufgaben." Holly konnte sich beim besten Willen nicht auf ihre Aufgaben konzentrieren. Ständig musste sie an den armen alten Mann denken. Sie hatte großes Mitleid mit ihm. Sie stellte sich vor, wie es wäre, wenn sie bei dieser Kälte auf einer Parkbank schlafen müsste. Das würde sie niemals aushalten. Auf einmal wusste Holly wie sie dem alten Mann helfen konnte. Sie kramte aus ihren Schrank ihre alte Schlafdecke hervor. Die würde ihn sicher wärmen.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück, nahm sie eine große Plastiktüte, und stopfte ihre alte Decke hinein.
"Was willst du denn mit der Decke", fragte ihre Mutter.
"Ich will sie dem armen Mann schenken. Er muss ja bei dieser Kälte fürchterlich frieren. Du hast doch sicher nichts dagegen, oder"?
Hollys Mutter war erst einmal sprachlos. Aber dann, machte sie ein paar Frühstücksbrote mehr und sagte: "Hier Holly, nimm das für den alten Mann mit. Damit er mal was Anständiges zum essen hat." Freudestrahlend verließ Holly das Haus, und wartete an der Ecke auf ihre Freundin Susi. Dann gingen sie gemeinsam zum Park. Da schlief er. Zusammengerollt lag er auf der Parkbank. Um sich vor der Kälte zu schützen, hatte er sich mit alten Zeitungen zugedeckt. Holly tippte ihn vorsichtig an.
"Hallo, alter Mann, sieh mal was ich dir mitgebracht habe." Dann legte sie ihm die Decke um die schultern, und gab ihm die leckeren Frühstücksbrote. Susi hatte ihm auch etwas mitgebracht. Eine Flasche Kakao. Die hatte sie aus dem Kühlschrank stibitzt. Er war zwar kalt, aber immer noch besser als gar nichts. Der alte Mann war sichtlich gerührt über so viel Freundlichkeit, und bedankte sich herzlich bei den Mädchen.
Als Holly am nächsten Tag, es war der letzte Schultag vor dem Weihnachtsfest, zum Park kam, war die Bank leer. Nur ihre alte Decke lag da. Fein säuberlich zusammengelegt. Der alte Mann war verschwunden. Holly suchte den ganzen Park ab, aber sie konnte ihn nirgends finden. Traurig nahm sie ihre Decke, und trottete heimwärts.
"Was ist denn los Holly? Warum bist du denn so traurig", wollte ihre Mutter wissen.
"Der arme alte Mann", schluchzte das Mädchen", er ist nicht mehr da. Er ist einfach verschwunden." Da nahm die Mutter ihre Tochter in den Arm, und sagte zu ihr:
"Sei nicht so traurig meine Kleine. Wahrscheinlich ist er bei dieser Kälte im Obdachlosenheim untergekommen. Du wirst ihn schon mal wieder treffen. Im Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird." Zwei Tage später war Heiligabend. Holly stand im Weihnachtszimmer, und bestaunte den herrlich geschmückten Baum mit den vielen Geschenken die um den Stamm herum aufgebaut waren. Zwischen den Geschenken lag ein kleines Päckchen, das Hollys besondere Aufmerksamkeit erweckte. Neugierig packte sie es aus. Es war ein goldenes Kettchen mit einem Medaillon. Und in dem Medaillon, befand sich ein kleines Bild vom heiligen Nikolaus.



Eingereicht am 06. Juli 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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