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Weihnachtsgeschichten Weihnachten Kurzgeschichte Advent Weihnachtsmann weihnachtliche Geschichten

Meine Weihnachtsgeschichte

© Isolde Jöhnk


Bin nun 50. Überzeugte Mama, nicht wirklich gläubig und dem Weihnachtsfest verfallen!
Kennst du Weihnachten auch so?
Es wird merklich kälter. Opa zieht seine Mütze(saarländisch: Batschkapp) immer tiefer ins Gesicht. Wenn er mit mir zu den Kaninchen in den großen Holzstall geht und mir dabei Geschichten aus seiner Jugend und der Kriegszeit erzählt, kommt aus seinem Mund Qualm, so als würde sein Inneres brennen. Seine Geschichten sind nie langweilig und lassen mich teilhaben an einem Leben, das ich nicht habe: Opa war einer von 12 Geschwistern. Arm, was Dinge angeht, aber reich, was schöne Erinnerungen betrifft.
Weihnachten war in seiner Jugend, etwas zum Essen zu haben. Holz für den Ofen zu finden. Schuhe tragen zu können. Nicht die mit dickem Fell, einfach festes Schuhwerk um durch den Schnee zu gehen.
Es gab nichts Schöneres, als mit Opa Schuhe zu besohlen ( Opa hatte das Werkzeug dazu in einer große Holzkiste fein säuberlich sortiert), seinen Geschichten zu lauschen und dabei eine Apfelsine zu essen, die Opa so aufschnitt, dass er mir daraus einen Hut mit drei Ecken aufsetzen konnte. Mein Papa konnte schön Geige spielen und wenn er dabei war, sang er automatisch das passende Lied: Mein Hut der hat drei Ecken, drei Ecken hat mein Hut und wenn er die nicht hätte, dann wärs auch nicht mein Hut.
Das Weihnachten immer näher kam, merkte ich daran, dass ich bestimmte Kammern im Haus nicht mehr betreten durfte. Die Gründe für ein solches Verbot gingen von: Dort streut das Christkind dir Sand in die Augen, bis hin zu: Leider ist das Kämmerchen baufällig geworden. Ich wurde nämlich älter und die Ausreden mussten schlauer werden damit ich nicht Verdacht schöpfte.
Was wirklich hinter der Tür geschah möchtest du wissen?
Opa bastelte meine Weihnachtsgeschenke.
Vom Puppenwagen über Kaufmannsladen bis hin zur Weihnachtskrippe.
Wunderschöne Figuren waren darin. Handgeschnitzt, ca. 30 cm groß, mit einem Christkind von etwa 1 cm.
Von diesem Weihnachten an, als Opa mir diese Krippe geschenkt hatte, spielte ich Familie. Glückliche Familie. In meinem Adventsspiel blieb es aber nie bei einem Christkind. Aus dem Katalog schnitt ich mir Kinder aus, klebte sie auf Karton und setzte sie mit in die Krippe zu Maria und Josef, dem Ochsen und dem Esel . Die Familie musste groß sein, denn ich selbst war das einzige Kind meiner Eltern und einsam. Meine Eltern wollten mir immer genug bieten können: Sachen, Geschenke und Liebe. "
Dann musst du auch mit niemandem teilen", waren ihre Argumente. " Du sollst es gut haben".
So blieb ich einsam und obwohl meine Kindheit recht schön war : Es hatte immer jemand Zeit für mich. Zu Weihnachten bekam ich viele Geschenke.
Immer gab es einen Festbraten. Der Weihnachtsbaum war herrlich geschmückt. Es roch damals besser als heute nach Zimt, Anis und Tannen.
Die Wohnstube war durch den Holzofen wohlig warm. Auf dem Küchenherd, der mit Kohle beheizt wurde, stand am Heiligabend schon seit fünf Uhr in der Früh ein großer Eisenbräter mit der Weihnachtsgans, die langsam vor sich hin schmurgelte und einen herrlichen Bratenduft verbreitete.
In dem Jahr, als mir das Christkind einen Schlitten brachte, schneite es auch. Dicke, weiße Flocken fielen, wie auf Bestellung vom Himmel.
Irgendwann gab ich auf, mir in meinem innersten ICH eigentlich nur ein Geschwisterchen zu wünschen, damit ich meine Geschenke mit ihm teilen konnte. Das hätte mir nämlich gar nichts ausgemacht!
Mit 15 hatte ich den Glauben an das Weihnachtsfest schon fast verloren.
Meinen Opa gab es nicht mehr, er war an Krebs gestorben. In der Schule hatte ich eher schlechte Noten. Der Junge, in den ich mich verliebt hatte, hatte sich nicht in mich verliebt. Meine Eltern hatten oft Streit. Kann nicht sagen worüber die stritten. Sie blieben aber zusammen, Da sie ja mich hatten und es war einfacher so, denke ich.
Meiner Oma, die immer für dieses herrliche Weihnachtsessen zuständig war, ging es immer schlechter. Die Augen machten nicht mehr mit, sie war fast blind. Als sie irgendwann auf dem Bett lag und ich sie besuchte, sagte sie zu mir: " Kind, du kannst das alles in die Hand nehmen. Keiner kann dir in der Schule gute Noten schenken. Keiner kann dich glücklich machen, außer du tust selbst etwas dafür.. Und wirklich keiner kann dir dieses besinnliche Gefühl der Weihnachten vermitteln, wenn du nicht selber dein Leben in die Hand nimmst.
Oma hat dann nicht mehr lange gelebt und wenn ich heute an sie denke, dann meistens an Weihnachten. Mir fallen dann so Kleinigkeiten ein. Z.B.
als wir zusammen am zweiten Weihnachtstag zum Essen eine Flasche Wein öffnen wollten. Oma zog mit dem Korkenzieher in der Hand am einen Ende der Weinflasche und ich zog am anderen Ende. Der Korken löste sich mit einem Schlag und Oma flog in die eine Ecke der Küche, ich in die andere.
Wir lachten aus ganzem Herzen. Oma lachte Tränen, die ihr übers ganze Gesicht kullerten, so wie immer, wenn sie von Herzen lachen musste ( was leider in ihrem Leben viel zu selten war, doch das ist eine andere Geschichte).Ich lache auch gerne und ich weiß, ich bin meiner Oma sehr ähnlich.
Ave Maria
Die Schulnoten wurden dadurch, dass ich anfing mein Leben in die Hand zu nehmen, zu lernen, zwar nicht überwältigend, aber, es war ein schönes Gefühl, Verantwortung zu übernehmen. Ich erreichte einen schönen Beruf und zunehmend mehr Selbstbewusstsein.
Mit 20 Jahren wurde ich zum ersten Mal MAMA, im Mai. Am Weihnachten davor, fing ich an, Weihnachten so zu feiern, wie ich es als Kind gelernt hatte. Alles voller Liebe, festlich. Viele Kerzen. Versuchte Duft ins Haus zu zaubern (was schon eine Allergie gegen Räucherstäbchen bei meinen Mitmenschen auslösen konnte). Ich kochte stundenlang um ein Festmenü auf den Tisch zu zaubern und war dabei bester Laune (habe dabei auch schon mal den ein oder anderen Eierlikör getrunken (Rezept von Oma).
Gut ich habe es versucht.
Mein Weihnachtsessen, Pasteten mit Schweinefilet gefüllt, Rahmsoße und Feldsalat gibt es in meiner Familie nun seit 30 Jahren. Festlich geschmückt ist unser Haus an jedem Weihnachtsfest. Pünktlich zum ersten Advent lege ich meine Weihnachtsmusik in den Player, mache Eierlikör und........keiner macht wirklich mit. Es wird von mir meistens als Mitleid gedeutet, was sich in den Augen meiner Kinder widerspiegelt.
Mama hats wieder!
Was noch erwähnt werden sollte:
Geschafft habe ich in meinem Leben so einiges. Nach diesen schönen Worten meiner Oma, habe ich für mich gearbeitet. Mit dem festen Vorsatz, einen glücklichen Menschen aus mir zu machen, ging ich an mein Lebenswerk.
Nicht nur allein, weil ich in meiner Kindheit ohne Geschwister, immer sehr einsam war, sondern, weil meine Kinder mir das wertvollste auf der Welt sind, meine Kinder mich gar nicht enttäuschen können, da ich sie liebe. Nein, aus dem einfachen Grund, meine Kinder machen mich glücklich, in so vielen Lebenssituationen und deshalb habe ich sieben Kindern das leben geschenkt. Wäre ich jetzt fromm, würde ich Gott dafür danken. Wenn ich katholisch wäre, bliebe mir auch noch Maria, zu der ich beten könnte( einiges verbindet mich sogar sehr mit Maria). Ist aber nicht so.
Die Väter meiner Kinder sind, ausnahmslos, gute Männer und denen ist mein Dank gewiss.
Es ist mir auch immer wieder eine große Freude, mit ihnen freundschaftlich verbunden zu sein. Zu einer Lebenslangen Partnerschaft hat es bei mir nie gereicht, leider, oder?
Das seltsame ist, meine Männer haben sich immer so um die Weihnachtszeit von mir getrennt und es danach sichtlich genossen, Weihnachten auch nicht annähernd in meinem Stil zu feiern. Irgendwie kann ich sie sogar verstehen.
Einen Schal
Doch du kannst sagen, was du willst: Irgendwie bin ich stolz auf m e i n Weihnachten. Auf die alten Gewohnheiten, den Plätzchenduft, meine Weihnachts-CDs (die, glaube ich, keiner mehr wirklich hören will). Bin stolz, mein Weihnachtsfest seit 30 Jahren durchzuziehen. Schließlich half mir der Glaube an mein Weihnachten auch dabei, meine gescheiterten Beziehungen ohne nennenswerte Schäden zu überstehen (nur so weit ich das selbst beurteilen kann).
Wie so oft deutet alles darauf hin, dass ich auch in diesem Jahr mein bevorstehendes Fest mit den Kindern alleine, ohne Partner den ich beschenken kann, verbringen werde. Schnee fällt schon lange keiner mehr an Weihnachten (Ozonloch?).
Das Weihnachten, an dem sich mein Jüngster einen Schlitten gewünscht hatte, auf dem er dann jahrelang nicht richtig fahren konnte, wegen akutem Schneemangel, liegt auch schon einige Zeit zurück. Mein Sohn hat mir geschworen, er wäre dennoch sehr glücklich gewesen mit seinem Geschenk( denke, er wollte mich nicht traurig machen). Da einige meiner Kinder inzwischen Vegetarier sind, kommt meine Weihnachtsgans auch nur noch bedingt gut an. Leider ist auch mein Weihnachten ein absolutes Familienfest. Nun ist unsere Familie zwar groß genug und es dürfte jedem schwer fallen, sich in ihr einsam zu fühlen, doch es gibt da Freunde und Freundinnen in die sich mein Nachwuchs verliebt hat und wenn die nicht dabei sein können, ist Weihnachten erst nach der Bescherung und vor dem Essen und in den Zwischenzeiten der offiziellen Festlichkeiten wirklich interessant für die Kinder, denn, an Feiertagen kann man bei uns "umsonst" telefonieren Dank XXL Vertrag.
Du wirst es jetzt, nachdem du meine Weihnachtsgeschichte kennst, glauben: Dieses Jahr stricke ich für alle einen Schal und möchte ein Foto von uns allen machen, mit Schal, am Fest, an meinem Fest!
Oh, oh du fröhliche
Da ich kein Unmensch sein will, ein Einsehen habe und meine Kinder wirklich liebe. Da ich ohne Mann vielleicht auch viel ungestörter mit meinem Weihnachten am Abend einsam sein kann. Und da mein ehrlicher Wunsch, meine Familie zu beschenken und glücklich zu sehen schon immer mein Bestreben war. Es außerdem viel festlicher ist, ein wenig melancholisch, mit Tränen in den Augen unterm Weihnachtsbaum zu sitzen, a l l e i n e, versteht sich. Und da mein Weihnachtsfest eh keiner so wirklich toll findet, wie ich mir das wünsche, machte ich meinen, inzwischen erwachsenen Kindern den Vorschlag:
Lass uns doch in diesem Jahr mal alles ganz anders machen. Ohne das übliche " Halleluja" und Ach Mama, warum feiern wir Weihnachten nicht so wie immer. War doch immer schön so, war die Antwort.
Prozedere. Habt ihr mal eine Idee? Ich bin für alles offen! War meine Frage zu Beginn der Adventszeit.
*Fröhliche* Weihnachten meine Lieben


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Eingereicht am 13. November 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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