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Kurt der Kraftfahrer

© Curd Berger


Mein Name ist Kurt, seit 25 Jahren bin ich LKW-Fahrer, oder wie man auf neudeutsch sagt - Trucker. Das klingt ganz romantisch, aber wenn man 12 Stunden auf dem "Bock" sitzt und die deutschen Autobahnen besser kennt als den eigenen Flur, dann ist keine Spur mehr von Romantik.
Es ist Weihnachten und ich bin wieder unterwegs, genau wie jedes Weihnachten seit jetzt 10 Jahren.
Diese Tour übernehme ich immer für meine Kollegen, es ist für mich besser als daheim zu sein.
Daheim,… wieso auch daheim?
Seit meine geliebte Frau vor 10 Jahren, viel zu jung, verstarb, bin ich an Weihnachten nicht mehr zu Hause gewesen.
Das große Haus, die Stille, ich könnte es gerade an diesen Tagen nicht ertragen. Es wird mich ohnehin niemand vermissen, ich habe keine Familie, die auf mich wartet.
Garda hat immer eine Familie gewollt, aber ich habe mich vor dieser Verantwortung gedrückt und es hinausgeschoben, aus Angst die Liebe tät nicht reichen für mehr, bis es zu spät war.
"Kurt", sagte sie immer, "Liebe ist das Einzige auf der Welt das mehr wird, wenn man es teilt!"
Ja,… so war sie.
Ich muss mich ablenken, die Tränen in meinen Augen verschleiern mir die Sicht.
Da, die Raststätte Pforzheim, endlich einen heißen Kaffee und bestimmt gibt es wieder einen Schokoladenweihnachtsmann.
Wenigstens meinem Chef bin ich noch wichtig, weil verlässlich, pünktlich und natürlich weil kein anderer an Weihnachten fahren will.
Bedauern will ich mich nicht. Es sind viele Menschen die ich auf den Rastplätzen sehe, trotz Weihnachten.
Vielleicht haben sie ähnliche Probleme, aber heute redet ja keiner mehr mit dem Anderen.
So, noch hundert Meter, dann rechts raus. Ich rieche schon förmlich den Kaffee.
Das Licht in der Raststätte ist gedämpft, nur der Weihnachtsbaum erhellt das Fenster mit seinen bunten Kerzen. Ich trete ein, gehe zum Tresen, hole einen Kaffee und ein Stück Stollen.
Stollen,… ja, den hat sie auch so gern gemacht, aber natürlich viel besser.
Ich setze mich und schlürfe das, was sie hier heute Kaffee nennen. Er ist wirklich nicht besonders gut, aber das ist ja klar, Sabine, die hier sonst kocht ist im Weihnachtsurlaub.
Während ich da sitz und meinen Stollen esse, fällt mir ein junges Pärchen in der Ecke auf. Sie trinken gemeinsam von einer Tasse und haben gegen die Kälte scheinbar nur die, um die Schultern gelegten, Decken.
Vielleicht sollte ich ihnen ein Stück Stollen spendieren, sie tun mir irgendwie leid.
Ich gehe rüber und sage: "Hallo, frohe Weihnacht, darf ich mich zu ihnen setzen?"
"Gern". Die wirklich noch sehr junge Frau schaute mich dabei etwas ängstlich an.
"Nur keine Angst gute Frau, ich möchte nur gern mit ihnen beiden ein klein wenig Weihnachten feiern und ein Stück Stollen für sie bestellen, wenn's recht ist."
"Sie sind sehr nett," sagte sie, "aber wie kommen wir dazu?"
"Nun, sie beide sind scheinbar an Weihnachten allein, ich bin an Weihnachten allein und warum sollten wir da nicht gemeinsam ein bisschen Weihnachtsfreude haben?"
Ich ging zum Tresen, kam mit einem großen Tablett voll Kuchen und Kaffee wieder und sah wie sehr sie sich freuten.
Im Laufe des Gesprächs tauten sie auf und erzählten mir von ihrem Leid.
Sie, schwanger von ihrem Ex-Freund, der jetzt nichts mehr von ihr wissen will und sie 14 Tage vor Weihnachten sitzen gelassen hat. Ihre Eltern haben sie wegen der "Schande" raus geworfen, doch zum Glück konnte sie für ein paar Tage bei dem jungen Mann neben ihr unterkommen, in seinem möblierten Zimmer bei Frau Glöbius. Dort aber waren "Damenbesuche unerwünscht" .Und da Frau Glöbius ein anständiges Haus führt, sitzen sie nun beide auf der Straße.
Das ist zwar traurig, denke ich bei mir, doch ich muss jetzt weiter, aber ich kann sie doch nicht einfach hier sitzen lassen?
"Wollt ihr mitfahren?" frage ich plötzlich und weiß selbst nicht genau ob ich das will.
"Ich muss noch nach Frankfurt, Köln und Nürnberg, dann geht's nach Hause, nach Stuttgart. Da habe ich Platz, viel Platz. Wenn ihr wollt könnt ihr ein paar Tage bleiben, bis ihr etwas gefunden habt."
Was rede ich da?? Bin ich noch bei Sinnen?? Gut, meine Frau mag ja eine Samariterin gewesen sein, aber ich…?
Und dabei sage ich das auch noch gern!
Die Beiden waren skeptisch, aber überglücklich nicht wieder in die Kälte raus zu müssen. Sie warfen ihre Rucksäcke in meinen LKW und krochen ganz dicht zusammen.
Es tat gut zu sehen wie sehr sie füreinander da waren. Aus den Beiden könnte etwas werden, dachte ich bei mir.
Nach tausend LKW-Kilometern und zwei Nächten in etwas beengten Verhältnissen war unsere Reise vorbei und wir konnten unsere müden Häupter in meinem Hause endlich zur Ruhe legen.
Fünf Jahre sind seitdem vergangen.
Andre, der kleine Sohnemann sagt Opa zu mir und die Beiden sind seit einem Jahr verheiratet.
Das Dachgeschoss habe ich ausgebaut, nicht für die Beiden, nein, für mich. Die junge Familie soll unten wohnen, mit Garten für Andre.
Sie sind jetzt meine Familie.
Seither war ich Weihnachten nicht mehr allein unterwegs.
Nicht das ich LKW fahre an diesem Tage, aber wir fahren gemeinsam am ersten Weihnachtsfeiertag zur Raststätte, in der alles begann und essen dort, in Erinnerung ein Stück Stollen.
Meine Gerda, da bin ich sicher, schaut von oben zu und ist zufrieden, so wie auch ich jetzt zufrieden bin, Gott für diese Fügung danke und weiß das meine Frau Recht hatte.
Liebe muss man teilen, nur so wird man sie vermehren können.
Frohe Weihnacht.


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Eingereicht am 18. November 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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