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Weihnachtsgeschichte

© Peter Löw


Ich habe einen Weißhaubenkakadu, der auf den Namen Neelix hört. Bei ihm in der großen Zimmervolliere leben noch ein Pärchen Mohrenkopfpapageien. Ihre Namen sind Tijalk und Horus. Tijalk ist das Weibchen und Horus ist der Hahn.
...... und manchmal, wenn sie ganz alleine sind, dann kannst du hören wie sie sich unterhalten. Aber pssst. Leise sein.
.
Sag mal Horus, was ziehst du denn für ein langes Gesicht? Neelix, lass mich in Ruhe. Das verstehst du sowieso nicht. Du bist nur ein Kakadu.
Ach komm hör auf zu stänkern. Sag schon, was ist los mit dir? Sonst spielst und pfeifst du den ganzen Tag. Aber heute ist mit dir, echt nichts anzufangen.
Hey Horus, alter Mopageier ruft Tijalk. Neelix hat recht. Du gefällst mir auch nicht. Was hast du?
Ach wisst ihr, ich habe heute morgen, als der Papa das Radio angemacht hat so was gehört. Und das beschäftigt mich schon die ganzen Stunden über.
Da war die Rede von Weihnachten und Weihnachtsgeschichten. So üüürgendwas mit Schnee und viel Liebe und Harmonium. Nee, Harmonie. Keine Ahnung was das ist. Weißt du das denn Neelix?
Hm, also Harmonie ist wenn sich alle Lieb haben und sich keiner zankt. Weihnachten kenne ich auch noch nicht. Vielleicht ist es ja ein Leckerchen? Oder etwas zum spielen.
Nein, ihr beiden, ruft Tijalk dazwischen. Weihnachten ist für die Federlosen, etwas ganz besonderes. Sie kleiden sich dann schön. Sitzen zusammen, spielen oder singen. Es liegt dann etwas ganz besonderes in der Luft, was nichts mit essen oder spielen zu tun hat.
Wieder lässt der traurige und nachdenkliche Horus sich hören. Und was hat das mit einer Geschichte zu tun? Eine Geschichte, das sind doch immer diese endlos langen und langweiligen Dinger, die der Papa da auf dem Gombuder tippt. Oder nicht?
Das ist, weil du noch nie eine Geschichte gehört hast, Horus sagte Tijalk keck. Du hast eben eine Büüldungslügge oder so ähnlich.
Neelix soll dir mal eine schöne Geschichte erzählen. Aber sie muss im Winter spielen. Sonst macht es keinen Sinn. Und sie muss schön sein und zu Herzen gehen.
Och nööö, ich kann so was doch nicht. Tijalk, du hast schon ein paar mal Weihnachten erlebt. Komm, erzähl du eine Geschichte. Aber sie muss so sein, wie du es gerade selber gesagt hast.
Warte mal, sagte Tijalk. Hmmmm, da war doch...... Momentchen. Hmmm.....
Ja genau, nun erinnere ich mich wieder. Das war damals im Winter wo es so dolle geschneit hat. Ich habe das erste mal Schnee gesehen und gedacht, das wäre Zucker. Papa ist dann mit mir auf den Balkon gegangen und hat mich von diesem Zucker mal probieren lassen. Das schmeckte nicht süß und war bitter kalt an meiner kleinen Zunge.
Ich habe gespuckt und geschimpft. Papa hat mich getröstet und wieder mit ins Wohnzimmer genommen. Und dann hat er mir etwas erzählt um mich abzulenken. Aaaalsooo: Das war so:
Winterwunder
Da war so ein kleiner Wolf. Das sind so komische Vögel, ohne Federn aber mit vier Pfoten. Naja egal. Aaalsooo: Da war also so ein kleiner Wolf im großen Wald von Kanada. Er hörte auf den Namen Pelzi. So hat ihn seine Mutter genannt. Sie war die Chefin von einem sehr großen Wolfsrudel und nannte sich das Alpahtier. Was das jetzt genau ist, weiß ich auch nicht.
Nun wie dem auch sei. Die Mutter hatte das Rudel zusammen gerufen. Das machte sie immer mit einem ganz bestimmten lang gezogenen Heullaut. Huuuuhuuuuuäääää.
Alle Wölfe kamen auf ihren Befehl sofort zu ihr und schauten sie erwartungsvoll an. Dann ließ sie mit lauter Stimme verlauten, dass viel zu früh Winter geworden war. Es leben noch vier Welpen in unserem Rudel für die der Winter tödlich ausgehen kann, wenn wir nicht sofort Futter finden.
Ich habe heute morgen auf meinem Pirschgang eine Fährte gewittert. Sie stammt von einem Elch. Wenn wir den erlegen, haben wir wieder für eine Woche reichlich Futter und die Mütter können weiterhin ihren Welpen Milch geben. Es ist auch so langsam an der Zeit, das die Welpen entwöhnt werden. Sie müssen schnell lernen, Fleisch zu fressen, sonst wird dieser verfrühte Winter, ihr letzter werden.
Kommt, lasst uns auf die Jagd gehen. Ich rufe euch gleich zusammen. Die Mütter sollen ihre Welpen in Sicherheit bringen, damit der Bär sie nicht wittert. Ich habe ihn letzte Nacht nämlich schreien gehört. Er ist hier in unserem Revier.
Geht und macht, was ich euch aufgetragen habe. Ich komme gleich und rufe euch zusammen.
Schnell wandte sich die Mutter ab und lief zu ihrem Kind. Pelzi komm her, rief sie. Wir müssen auf die Jagd. Wir alle haben Hunger und keine Nahrungsreserven mehr. Die Hirschkuh von vorgestern ist uns gestohlen worden. Geh und verkriech dich da vorne in der Höhle und warte bis wir zurückkommen.
Höre gut zu, Pelzi. Hier in der Nähe ist ein Bär. Er ist alt und kann nicht mehr so gut jagen wie noch vor Jahren. Deshalb geht er in der Hauptsache auf die Nahrung, die nicht so schnell laufen kann, krank oder eben wie du, viel zu jung ist. Geh in die Höhle und Rühr dich nicht.
Wir kommen so schnell zurück, wie wir es eben schaffen können. Bis dann. Leb wohl.
Mama, kann ich denn............. Weiter kam Pelzi nicht denn die Mutter war schon auf einen Felsen gesprungen und er hörte das ihm bekannte Huuuuhhhhhhhhhuuäää
Die Wölfe versammelten sich erneut und dann ging es los. Einige Augenblicke später war kein Heulen, kein Bellen und auch kein Geräusch mehr zu hören, die hunderte von Pfoten im Schnee erzeugen.
Pelzi lag in der Höhle, schmiegte sein Fell, ganz hinten an einem Felsen in der Dunkelheit und schloss die Augen.
Es wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, doch ein tiefes Brummen hatte Pelzi aus dem Schlaf geweckt
Der Bär, schoss es ihm durch den Kopf. Oh weh. Der böse Bär ist da. Nun wird er mich finden und fressen wollen.
Pelzi hatte sich nicht getäuscht. Tatsächlich hatte der Bär die Fährte des Rudels gewittert und sich in die Nähe des Rudelhortes gewagt, weil der Hunger ihn plagte. Seit Tagen hatte er nichts mehr gegessen.
Er stockte, denn er hatte etwas gerochen, das ganz frisch ist. Er nahm die Wärme wahr. Mit schnellen trottenden Schritten der Höhle zu, aus der diese Witterung kam.
Aber der Eingang der Höhle war zu klein für ihn und er blieb mit dem Körper im Eingang stecken.
Auch ihn hatte der Winter überrascht. Er musste noch etwas fressen, damit er den Winterschlaf überleben würde. Und hier war Beute. Nur, er kam nicht an sie heran.
Pelzi zitterte am ganzen Leib. Maaammmmaaa, weinte es. Wo bist du denn? Ich habe so dolle Angst.
Mami, bitte komm doch zu mir. Der Bär hat mich gefunden.
Vom Höhleneingang hörte es, wie der Bär vor Wut brüllte.
Ich muss hier weg, dachte es und suchte nach einem anderen Ausgang. Nach eine weile hatte es auch ein Schlupfloch gefunden und flüchtete in den Wald.
Doch inzwischen war es schon dunkel geworden und Pelzi bekam noch mehr angst als in der Höhle zu hause.
Es traute sich nicht zu rufen, aus angst der Bär könne es hören.
Pelzi fing an zu weinen und rief wimmernd.... Mami, Mutti, bitte komm doch zu mir.
Stunden lang saß Pelzi im Schnee und weinte vor sich hin. Bitte, lieber Gott, lass doch ein Wunder geschehen. Ich habe so schlimme angst. Ich bin noch so klein und kann mich nicht wehren. Es saß im Schnee, weinte und zitterte vor sich hin. Doch dann erschien auf einmal ein kleines Licht. Es summte ihm immer um die Schnauze herum. Pelzi vergaß das weinen und schaute dem Lichtlein zu.
Aus dem Lichtlein wurde ein Licht. Denn es wurde immer größer und aus dem Licht wurde eine Lichtgestalt.
Pelzi traute seinen Augen nicht. Die Lichtgestalt sagte keinen Ton. Aber sie hatte etwas in der Hand. Pelzi kniff die Augen mehrfach zu damit die Tränen wieder freie Sicht geben. Dann sah es das dieser Engel ein Stäbchen in der Hand hatte.
Dann hörte es die Stimme der Lichtgestalt. Pelzi, mein kleiner Liebling. Ich wurde zu dir gesandt, damit du keine Angst mehr haben brauchst. Gott hat dein Flehen gehört und zu mir gesagt, ich soll dich vor dem Bären retten.
Der Engel machte eine eigentümliche Bewegung mit dem Stäbchen in der Hand und dicke, richtig dicke Schneeflocken fielen vom Himmel und verdeckten die Spuren, die Pelzi hinterlassen hatte.
So, nun bist du für den Bären schon einmal unsichtbar. Und nun schau was ich mache. Und wieder wedelte der Engel ganz elegant mit dem Stäbchen und murmelte etwas vor sich hin.
Auf einmal konnte Pelzi den Bären durch ein Loch im Schneegestöber sehen. Als würde es in einen Spiegel gucken der auf den Bären ausgerichtet wurde.
Der Bär saß missmutig und brummend vor der Höhle und wartete immer noch darauf, dass die Beute heraus springen würde. Doch da erschien auf einmal ein Schneehase und setzte sich einige Meter von dem Bären entfernt auf die Hinterläufe.
Der Bär sah die neue Beute und lief auf den Hasen zu. Der flüchtete einige Meter und wartete bis der Bär wieder aufgeholt hatte.
So ging es immer und immer wieder. Bis der Bär außer Sicht war. Der Spiegel verschloss sich wieder und der Engel sagte zu dem kleinen Wölfchen....
Pelzi, heute ist Weihnachten. Die Nacht des Friedens und der Liebe. Jeder, der in dieser Nacht einen Herzenswunsch äußert, bekommt ihn auch erfüllt. Geh nun zu deiner Höhle zurück und warte auf dein Rudel. Es wird in einigen Minuten mit reichlich Beute zurückkommen.
Lebe wohl, mein kleiner Pelziger Freund und vergiss nie. Weihnachten ist die Zeit der Wünsche.
Dann wurde aus der Lichtgestalt wieder ein Licht und aus dem Licht wurde wieder ein Lichtlein. Das wurde auch immer kleiner, bis es vollends verschwand.
Pelzi lief zurück zur Höhle. Doch diesmal hatte es keine Angst, sondern war überglücklich über das Wunder das es erleben durfte. Tatsächlich kam das Rudel einige Minuten später zurück.......
Tjaaaaaa und damit endet die Geschichte. Hoffentlich hat sie euch beiden gefallen, sagte Tijalk.
Aber ich sehe schon, die Augen von Horus leuchten wieder so, wie wir es kennen.
Hach, war das schön, ließ Horus sich vernehmen. Ich liebe solche Geschichten, die einem so zu Herzen gehen.
Ach, paperlapapp ruft Neelix dazwischen, das kann doch jeder. Das kann sogar ich.
Hör mal, du alter Angeber schimpfte Horus. Es ist wirklich einmal eine richtig harmonische Stimmung bei uns und du musst sie gleich wieder mit deiner ollen Angeberei kaputt machen. Weißt du, ich will dir mal was sagen, du olles Grillhähnchen, ich..................
Nein, unterbricht Neelix seine Schimpfkanonade. Vielleicht habe ich mich jetzt dumm ausgedrückt, aber mir fällt da so etwas ähnliches ein, das die Mama mir einmal erzählt hat. Ich weiß nur nicht genau, ob ich sie noch zusammen bekomme.
Aber es muss etwas mit Weihnachten, Wald, Schnee und Tiere zu tun haben zwitscherte die kleine Tijalk. Wenn du das schaffst, das wäre wüürklich toll.
Also, oller Neelix. Wer gackert muss auch ein Ei legen. Versuch es doch einfach. Wir beißen schon nicht.
Ja, ja, ja. Ich versuche es mal. Aber ihr dürft mich nicht auslachen wenn es nicht so schön ist, wie bei dir, Tijalk.
Aaaaaalsooooo:
Die Leimrute
Wisst ihr, wenn ich diese Geschichte erzähle, müssen wir alle in Gedanken in eine Zeit zurückgehen, wo es hier in Euroba oder wie sich das hier auch immer nennt, noch keine exotischen Vögel wie uns gab.
Keine Papageien, keine Sittiche und auch keine Kakadus.
Aber schon damals hatten die Menschen, das eigentümliche Bedürfnis, sich Vögel in ihrem Haus halten zu wollen.
Georg und Else wohnten in einem alten Haus, nahe am Waldrand und die beiden waren Knecht und Magd bei einem reichen Bauern in der Gegend. Doch wenn es Winter wurde, dann hatte der Bauer keine Arbeit für die beiden und sie mussten die ganzen Wintermonate über zusehen, wie sie sich am Leben erhielten.
Else ging immer in den Wald und suchte noch Pilze, die vielleicht später aus dem Boden kamen. Sie sammelte Holz und Rinde.
An manchen Tagen ist sie an den See gegangen um frische Weidenzweige zu schneiden. Damit hat sie dann immer Körbe geflochten.
Wenn sie diese dann auf dem Wochenmarkt verkauft bekam, so hatten sie einige Kreuzer um sich Weizen oder Gerste zu kaufen.
Hey, ihr beiden. Warum schaut ihr mich so ungläubig an fragte Neelix die beiden, schon in der Geschichte gefangenen, gefiederten Freunde.
Wisst ihr, ich muss euch vielleicht noch erklären, dass man damals noch keine Kaufhäuser hatte, wo man sich einfach ein Brot kaufen konnte. Das meiste hat man sich in dieser Zeit immer alles alleine und zu Hause gemacht. Heute ist das ja anders. Aber lasst mich weiter erzählen......
Aaaaalsooooo:
Heute war für die beiden ein besonderer Tag, denn morgen sollte das Weihnachtsfest gefeiert werden. Da sollte es frisches Brot und sogar Marmelade geben. Else hatte in ihrer kargen Freizeit, den Wald aufgesucht und in vielen Stunden des suchen, bücken und pflückens viele Früchte gesammelt und daraus eine leckere Marmelade zubereitet, die sie extra für das Weihnachtsfest versteckt und aufbewahrt hatte. Georg hatte an diesem Tag noch einiges vor. Er wollte noch an den Waldrand gehen und einige Vögel fangen.
Ja, ihr hört richtig. Georg war ein Vogelhändler. Er fing die Vögel und steckte sie in einen Korb, den Else ihm geflochten hatte um die Vögel dann auch auf dem Wochenmarkt feil zu bieten.
Auch am heutigen Tag war er schon wieder sehr früh aufgestanden und ist vor das Haus gegangen wo er das Holz aufbewahrte, das sie im Winter zum heizen brauchten. Er ging viermal hinaus und kam jedes mal, mit so viel Holz wieder in die Stube, wie er mit beiden Armen gerade tragen konnte.
Else soll es wenigstens warm haben, wenn sie gleich aufsteht, murmelte er in seinen grauen Bart.
Er legte das Holz auf die Glut, des Feuers, das die Nacht über den Erfrierungstod von ihnen fern gehalten hatte. Lange Zeit kniete er vor dem Kamin und blies in die Glut bis das feuchte Holz endlich zu brennen begann und eine gemütliche Wärme in der Stube verbreitete.
Dann ging er zu der Schlafstätte, wo seine Frau noch schlief.
Er küsste sie auf die Stirn und sagte: Else, mein Weib. Wach auf und mach das Frühstück. Ich werde schnell an den Waldrand gehen und Futter auswerfen und Leimruten machen. Else schlug die Augen auf und sah ihren Mann an.
Du hast es schon warm gemacht, fragte sie ihren Mann? Der schmunzelte nur und nickte wortlos.
Weib, ich muss jetzt los, sonst kann ich die Beute morgen nicht mehr verkaufen. Von dem Geld möchte ich gerne noch einen Braten für uns beide holen und der Weber Meier hat noch einige Kartoffeln, die er mir verkaufen könnte. Ich mach mich jetzt auf den Weg und bin in etwa einer Stunde wieder zurück. Schau dass dann die Grütze fertig ist.
Bis nachher.
Georg nahm seine schwere Jacke vom Haken und zog sie an. Dann stülpte er noch eine dicke Wollmütze über die Ohren, nahm seinen Leimtopf und griff in eine Holzkiste, wo er noch einige Körner aufbewahrt hatte, mit denen er die Vögel anlocken wollte.
Else sah ihm nach, als er die Tür öffnete und hinaus in die morgendliche Dunkelheit stapfte.
Gutes Gelingen, murmelte sie und verließ die Schlafstätte.
Gütiger Gott, brummelte Georg vor sich hin, als er durch den Schnee lief, der seine Beine immer wieder, tief versinken ließ. Kannst du mir mal erklären, guter Gott, warum du diesen Schnee erschaffen hast? Nein? Dachte ich mir schon. Er war missmutig, weil ihn die Kälte zu schaffen machte. Sie brannte auf seinen Wangen und schmerzte an seinen Händen. Er haderte jedoch nicht lange, denn er hatte sein Ziel doch schon bald erreicht.
Autsch, fluchte er, weil er in der Dunkelheit einen Zweig nicht gesehen hatte und dieser ihn, in die rechte Wange gerammt war, die sowieso schon von der Kälte her schmerzte.
Er stellte den Leimtopf ab und rieb seine Hände, damit sie etwas wärmer wurden und die Finger ihre Beweglichkeit wieder erhielten. Dann brach er einen Zweig von einem Fichtenast ab und fing an, einige Äste mit dem Leim zu beschmieren.
Immer wenn sich ein Vogel auf so einer Leimrute nieder gelassen hatte, klebte er fest und konnte nicht wieder weg fliegen. Nach einigen Stunden konnte Georg ihn dann recht einfach von diesem Ast abpflücken, in den Korb stecken und später verkaufen.
Nachdem Georg einige Äste so her gerichtet hatte, schmiss er den Pinselersatz weg und hauchte sich in die Hände um sie erneut feste an einander zu reiben. Das machte die Hände etwas wärmer und er konnte in die Taschen an seinem Beinkleid greifen und die Körner herausholen.
Mit einer ausladenden Bewegung verstreute er die Körner, immer in der Nähe von den Ästen, die er mit Leim versehen hatte.
Er nickte zufrieden und trat seinen Heimweg an.
Inzwischen war es schon hell geworden und die letzten Bewegungen, als er das Futter verstreut hatte, waren nicht unbemerkt geblieben.
Georg war schon geraume Zeit weg, als ...
Hast du gesehen? Ja, hast du es gesehen, fragte die Amselfrau ihren Mann. Da hat ein Mensch Futter verloren. Komm, lass uns schnell diese Körner holen, bevor sie ein anderer Vogel sieht.
Ja, antwortete der schwarz gefiederte Amselhahn und sein gelber Schnabel leuchtete auf. Lassen wir uns beeilen.
Die beiden flogen los und ließen sich auf einer der Leimruten nieder, die Georg gemacht hatte.
Heuer ist der Winter sehr früh gekommen. Wir werden noch einiges an Hunger erdulden müssen, sprach der Amselhahn. Er breitete die Flügel aus um zu den im Schnee liegenden Körnern zu fliegen.
Doch groß war das Entsetzen, als er den Ast nicht verlassen konnte. Auch das Weibchen war sehr erschrocken als sie bemerkte, dass auch sie auf den Leim gegangen war.
Alle Vögel im Wald hörten das Gezeter der beiden Vögel. Es war nicht das jubilieren der Amseln, wie wir es in den frühen Morgenstunden im Frühjahr hören, sondern es waren Rufe der Furcht und es Entsetzens.
Erschrocken wachte der Dompfaff auf und plusterte sein Gefieder. Was ist denn hier passiert? Wieso schreien die Beiden denn so? Die sind in großer Gefahr dachte er sich. Da muss ich schnell hin und helfen. Wahrscheinlich werden die beiden von einem Marder bedroht und ich kann ja versuchen, ihn abzulenken, dass die Beiden entfliehen können.
Schnell flog er in die Richtung aus dem die Hilferufe zu hören waren und flog schnurstracks auf eine weitere Leimrute von Georg.
So erging es noch einigen Vögeln. Alle klebten sie auf den Leimruten fest und keiner konnte sich von dieser klebrigen Masse befreien. Dann erschien die Eule. Sie war weiß geworden. Alle ihre Federn die Dunkel waren, was sie im laufe des Frühjahres, des Sommers und auch des Herbstes vor den Blicken der Feinde schützte hatte sie zu beginn des Winters verloren und dafür sind weiße Federn nachgewachsen. Nun konnte man sie in der weißen Umgebung kaum noch sehen.
Doch die Eule war etwas ganz besonderes. Sie war sehr alt und schlau. Sie galt als heiliger Vogel bei allen Waldbewohnern.
Sie setzte sich nicht auf einen Ast, sondern landete weich und elegant im Schnee.
Ruuuuheeeee, ließ sie laut ihre Stimme erschallen. Die verängstigten Vögel schwiegen und sahen die Eule erwartungsvoll an.
Seit still ihr dummen Tiere, sagte die schlaue Eule. Alle eure Feinde werden auf euch aufmerksam und keiner von euch kann ihnen entrinnen. Ihr müsst Geduldig sein und mir vertrauen.
Einige Stunden später kam dann Georg wieder zu der Stelle und war freudig überrascht, dass ihm so viele Vögel auf den Leim gegangen waren. Er öffnete seinen Korb und...................
Wartet mal ihr beiden, euer Neelix hat einen ganz trockenen Kropf. Ich muss etwas trinken.
Das darf doch wohl nicht wahr sein, sagte Horus und auch Tijalk sagte: Jetzt wo es so spannend wird musst du etwas trinken? Hat das nicht bis gleich Zeit?
Doch Neelix lässt sich nicht beirren und trinkt einig Schlückchen von dem frischen Wasser, das die Mama vor einer halben Stunde in die Näpfe gegossen hat.
So, nun geht es wieder besser.
Aaaalsoooo: Wo war ich stehen geblieben? Ach ja,
Georg öffnete also seinen Korb und in dem Moment wo er den ersten Vogel vom Ast ziehen will, hört er die Stimme der Eule, die fast unsichtbar mit dem Schnee verschmolzen, auf dem Boden saß.
Georg hatte die Eule überhaupt nicht gesehen und er riss die Augen auf und seine Kinnlade fiel herab, weil es doch unmöglich ist, das eine Eule sprechen kann.
Georg, hörte er die Stimme der alten Eule. Georg. Bitte lass meine Freunde in Ruhe. Georg rieb sich die Augen. Er konnte nicht glauben, was da geschieht.
Dddas ddas ist ddoch uunnm m m möglich, stotterte er.
Doch die Überraschung hielt nicht lange vor.
Schnell hatte er sich wieder gefangen und sagte zu der Eule, die inzwischen ganz in seine Nähe geflogen und wieder im Schnee gelandet war:
Nein, ich kann das nicht. Ich brauche diese Vögel, denn morgen ist für uns Menschen ein besonderer Tag. Es ist......
Ich weiß, unterbrach ihn die Eule. Es ist Weihnachten. Glaubst du an Weihnachten, Georg? Glaubst du an die Wunder, der Weihnachtszeit?
Georg wartete noch einen Augenblick und überlegte. Wunder, sagte er, gibt es für unser einen schon lange nicht mehr.
Hast du denn schon einmal eine Eule sprechen gehört, Georg? Fragte ihn die Eule.
Nein, du hast Recht. Das ist wirklich ein Wunder. Wieso kannst du sprechen?
Georg, lass meine Freunde wieder frei. Du wirst es nicht bereuen. Bitte glaub an das Wunder, das du gerade erlebst und vertraue einer alten Eule, die sprechen kann.
Aber ich brauche doch so dringend das Geld, erwiderte er. Ich muss doch für meine Frau noch.......
Geeeooorg, sagte die Eule, nun in einem etwas strengeren Ton. Bitte vertrau mir und glaube an die Weihnachtswunder.
Georg überlegte eine ganze Weile. Er war zweimal in diese schlimme Kälte gegangen und er wollte es nicht umsonst gemacht haben. So viele Vögel hatte er noch nie erbeutet. Doch auf der anderen Seite, war da eine sprechende Eule und es war Weihnachten.
Er sagte nichts mehr, sondern nahm den ersten Vogel vom Ast und säuberte die kleinen Krallen vom Leim, damit er nicht auf dem nächsten Ast wieder kleben bleiben würde. Dann ließ er ihn frei.
Das machte er langsam und sehr sorgfältig. Als der letzte Vogel dann von seiner Qual befreit war, wendete er sich der Eule zu.
Doch diese fragte, bevor er noch etwas sagen konnte: Georg, hast du nicht etwas vergessen?
Wieder überlegte Georg und dann musste er lächeln. Diese kleine weiße Eule, dachte wirklich an alles. Er zog sein Taschenmesser heraus und schnitt die Äste ab, die er mit Leim versehen hatte.
Nun habe ich alles gemacht, sagte er zu der Eule. Und wo ist nun das Wunder?
Geh nach Hause, mein lieber Georg. Geh heim und nimm diese Äste mit. Du wirst das Wunder noch erleben.
Darauf hin erhob sich die Eule aus dem Schnee und flog in den Wald.
Tz tz tz, dass ist mir noch nie passiert, dachte er sich und ging nach Hause. Gerade wollte er die Türe öffnen um endlich aus dieser Kälter in die herrliche Wärme der Stube zu gelangen, da öffnete sich die Türe und seine Frau kam heraus.
Ihre Augen waren nass von Tränen, die sie geweint hatte. Doch ihr Gesicht glänzte vor Glück.
Komm herein Schatz und schau was hier geschehen ist.
Seine Frau zog ihn hastig an den Händen in die warme Stube und was er nun sah ließen auch seine Augen mit Tränen der Freude anfüllen.
Der Tisch war über und über mit reichen Gaben versehen. Es waren Kartoffelklöße auf neuen Tellern, die nicht wie sonst aus Holz sondern sogar aus Porzellan waren. Da waren Früchte, herrlich duftende Äpfel, dampfendes Gemüse und ein kleines Ledersäckchen, gefüllt mit goldenen Talern.
Er konnte nicht erzählen, was er erlebt hatte. Er konnte nur stammeln. S sie h ha hatte recht die Eu Eule. Weihnachtswunder.
Seine Frau sah in verwundert an, doch sie wusste, das wahrlich ein Wunder geschehen war. Er würde ihr schon alles erzählen, wenn die Zeit reif dafür war.
Hallo ihr beiden. Kommt wieder zu euch, rief Neelix. War die Geschichte schön? Denkt daran, ihr wolltet nicht lachen, wenn sie nicht ganz so toll war.
Horus sagte nichts. Er kletterte die Stangen hinab zu dem Napf und holte sich in seinem Schnabel einige Pinienkerne, die Neelix so gerne frisst.
Hier Neelix. Die Kerne hast du dir verdient. Lass sie dir schmecken. Die Geschichte war verträumt und wunderschön.


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Eingereicht am 26. November 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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