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Weihnachtsgeschichten Weihnachten Kurzgeschichte Advent Weihnachtsmann weihnachtliche Geschichten

Stille Nacht

© Veronika Herbst


Große Augen blicken staunend auf den leuchtenden Weihnachtsbaum. Kugeln glitzern, Kerzen verbreiten warmes Licht in der Stube. Lebkuchen und Gewürze verströmen ihren Duft. Kinder sagen die gelernten Gedichte auf, nervös auf die verpackten Geschenke blickend. Wann darf man sie endlich öffnen? Mutter sitzt auf einem Stuhl und möchte ein Gedicht nach dem anderen hören. Vater stibitzt sich ein Plätzchen vom Weihnachtsteller. Er zwinkert den Kindern zu und beginnt vorsichtig zu kauen. Außer Mutti scheint sich keiner für die Gedichte zu interessieren. Als sie es auch endlich bemerkt, schauen sich die Kinder hoffnungsvoll an. Jetzt darf man endlich die Geschenke... aber nein. Jetzt nimmt Mutti auch noch die Blockflöte zur Hand und stimmt "Stille Nacht" an. Vater hat noch den Mund voll mit dem Zimtstern und verpasst den Einsatz. Mutter schaut ihn über ihre Flöte hinweg streng an. Nuschelnd beginnt er mit uns zu singen. Da muss wohl noch ein Krümel im Hals gewesen sein. Ein kräftiger Hustenanfall setzt unserem kleinen Konzert ein jähes Ende. Enttäuscht packt Mutter die Flöte weg. Wenn wir jetzt nicht langsam die Pakete auspacken dürfen sind meine Schwester und ich auch enttäuscht. Die Eltern geben endlich nach. Jetzt bloß nicht wie verrückt zu den Geschenken rennen, Mutti möchte ein ruhiges und gesittetes Weihnachtsfest und kein Zusammenstoß zu hastiger Kinder unter dem Weihnachtsbaum. Ist da das Auto drin? Oder ehr in dem langen Packet dahinter? Hoffentlich hat der Weihnachtsmann es nicht in seiner Werkstatt vergessen? Also verdient hätte ich es schon, so artig wie ich in letzter Zeit war! Im ersten Packet ist ein Paar neuer Tennisschuhe. Die alten sind mir zu klein geworden. Ok, lieber Weihnachtsmann, die Schuhe waren dringend nötig, aber vergiss´ bitte mein kleines Auto nicht. Meine Schwester ist jetzt dran. Sie nimmt zielsicher das größte Packet. Die Technik habe ich in ihrem Alter auch angewandt, von groß nach klein durch arbeiten. Heute, mit 6 Jahren, bin ich viel erfahrener. Ich schätze die Größe der Päckchen auf ihren Inhalt ab. Mit einem lauten Quicken werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Meine Schwester hält eine Puppe im Arm. Goldene Löckchen umranden das zierliche Gesicht. Rosa Rüschen verzieren das Kleidchen- Mädchenkram, über so etwas würde ich nie so ein Aufstand machen. Mutti und Vater schauen sich schmunzelnd an. Niedlich wie sie da mit ihrem neuen Liebling steht. Ich strecke vorsichtig meinen Arm aus. Ein Blick zur Seite. Nein, keiner ruft mich zurück, ich darf erneut mein Glück versuchen. Langsam auspacken, nicht panisch werden. Da sind noch so viele Pakete, irgendwo wird das Auto schon sein. Beim Auspacken rutscht das Packet auseinander. Seit wann rutschen Autos auseinander??? Tun sie natürlich nicht. Ich halte drei Bücher in der Hand. Mutti erklärt mir stolz, jetzt könnte ich ja selber abends "Gute Nacht Geschichten" lesen. Langsam fange ich an zu zweifeln ob größer werden wirklich so toll ist. Man bekommt nur "nützliche Geschenke" und das Gute-Nacht-Ritual findet ausgerechnet am Heiligabend sein Ende. Ich schaue enttäuscht zu meiner Schwester. Die sitz selig mit der doofen Puppe im Arm auf dem Sofa. Selbst nach mehrmaligem Auffordern will sie sich am Geschenke auspacken nicht mehr beteiligen. Blöde Kuh, nur weil sie schon alles hat was sie will verdirbt sie mir den Abend. Sie weiß genau, dass ich erst wieder ein Geschenk zur Hand nehmen darf, wenn sie eins ausgepackt hat. Nein, wie Engel sieht sie nicht aus, ehr glücklich darüber das ich mein Auto noch nicht gefunden habe. Das Glück ist mit den Doofen und ich finde meine Schwester sehr doof. Vater nickt mir auffordernd zu, dass ist zwar ein Regelverstoß, aber er darf das. Auch Mutter schaut gespannt auf mich. Jetzt darf ich keinen Fehler machen. Vielleicht ist das der letzte Versuch das Auto zu finden. Wer weiß´ wann die kleine Hexe sich endlich wieder fast und sich um ihre Geschenke kümmert. Das Päckchen ... oder das ... oder ... . Mir fehlt jetzt die Beherrschung. Ratsch, ratsch ist das Papier weg und ich glücklich. Ein rotes Auto, mein Auto. Das schönste Auto der Welt. Ich schaue Mutti und Vater kurz an, lächelnd. Ob es auch fährt? Kann man die Türen aufmachen? Und die Motorhaube? Ich sitze vor dem Baum und strahle mit ihm um die Wette. Die Welt ist auf einmal ganz still und wunderschön. Eigentlich finde ich meine Schwester auch gar nicht so doof. Sie passt zu uns, wie sie so mit ihrer Puppe kuschelt. Alle sind glücklich. Am meisten ich, der kleine Junge mit dem neuen Auto.


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Eingereicht am 10. Dezember 2006.
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