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Ein Geschenk für den Weihnachtsmann

© Irmela Nau


Weihnachtsgeschichten
unserer Autoren
Tief unter Schnee und Eis verborgen lagen die Werkstätten des Weihnachtsmannes. Hier lief die Geschenkproduktion auf Hochtouren, denn seit September waren erst spärlich, dann immer zahlreicher und schließlich in wahren Fluten die Wunschzettel angekommen. Und um alle Wünsche zu erfüllen, mussten die Elfen Tag und Nacht arbeiten. Sie werkelten, malten, schraubten, klebten, montierten, packten ein und stapelten die fertigen Päckchen und Pakete in riesigen Lagerhallen.
Doch eine kleine Gruppe Elfen beteiligte sich dieses Mal nicht an der Produktion. Fünf Elfen saßen in einer kleinen Besenkammer und diskutierten eifrig.
"Was soll er denn damit? Davon hat er doch wirklich genug." Ulfin, der Älteste der Gruppe schüttelte den Kopf. Also, was sich diese jungen Elfen dachten. Als ob der Weihnachtsmann noch ein Paar Handschuhe oder eine neue Mütze bräuchte.
"Es sollte etwas sein, was er noch nicht hat. Eine echte Überraschung eben."
Die Ideen flogen nur so durch den Raum.
"Ein von innen beheizbarer Mantel."
"Extra warme Hauspantoffeln."
"Ein Massage- Wohlfühl- Fernsehsessel."
"Ein Wasserbett mit Palme."
Immer mehr, teils unsinnige, teils witzige oder ganz und gar unmögliche Vorschläge wurden gemacht.
"Ein Schlittennavigationssystem."
"So ein Unsinn. Niemand navigiert besser als unser Rudolph", unterbrach Ulfin die Flut der Ideen. "So kommen wir nicht weiter."
"Dann mach du doch einen Vorschlag. Mir fällt nichts mehr ein", klagte Alfredo.
Die andere Elfen nickten eifrig und Gideon, der jüngste, fragte: "Warum schenken wir dem Weihnachtsmann überhaupt etwas? Letztes Jahr hat er doch auch nichts bekommen."
Erwartungsvolle Blicke richteten sich auf Ulfin.
"Habt ihr nicht bemerkt, wie betrübt der Weihnachtsmann dieses Jahr ist? Ich habe gedacht, dass ihn eine kleine Überraschung vielleicht aufheitern würde."
"Betrübt? Aber warum denn? Die Geschäfte laufen doch prima."
"Pah! Geschäfte! Das ist es ja eben. Es geht nur noch um Geschäfte. Keiner glaubt mehr so richtig an den Weihnachtsmann und das macht ihn sehr traurig."
"Wenn niemand mehr an ihn glaubt, warum kommen dann hier so viele Wunschzettel an?"
"Nun, die Kinder schreiben sie zwar noch, denken aber, dass ihre Eltern die Listen eingesammelt haben, wenn diese verschwunden sind. Sie wissen doch nicht, dass jeder geschriebene Wunschzettel automatisch hier landet. Und so glauben die Kinder, dass die Geschenke von ihren Eltern kommen. Auf diese Weise gerät der Weihnachtsmann langsam in Vergessenheit."
"Hmmm..." Gideon runzelte die Stirn und meinte dann nachdenklich: "Vielleicht sollten wir ihm dann lieber den Glauben an sich schenken."
Oh je. Da hatte er was gesagt.
"Wie soll das denn gehen? Du kannst nicht einfach irgendwoher einen Haufen Glauben nehmen und verschenken," höhnte Alfredo. "Und selbst wenn, wie willst du ihn verpacken? Du weißt genau, dass nur verpackte Geschenke richtige Geschenke sind. Erinnere dich nur an Fridolins Traum." Er tippte sich an die Stirn. "Nein, nein. Das ist Unsinn."
"Ist es nicht", erwiderte Gideon fast fröhlich. Ihm war nämlich schon längst etwas eingefallen.
"Na, da bin ich aber mal gespannt", meldete sich nun auch Balduin. "Wie willst du denn Glauben einpacken?"
"Ach, das ist leicht. Habt ihr noch nie gesehen, was für ein hübsches goldenes Licht Glauben ausstrahlt?"
"Ja und?", fragte Alfredo ungeduldig.
"Erst einmal musst du den Glauben haben. Wie willst du da herankommen?", warf Ulfin interessiert ein. Die Idee des jungen Elfen gefiel ihm sehr, aber wie sie umzusetzen war konnte er sich nicht vorstellen.
"Man kann Glauben natürlich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln", setzte Gideon an und überhörte großzügig das Schnauben aus Alfredos Richtung. "Und man kann ihn nicht erzwingen. Aber er war einmal da und so glaube ich fest daran, dass man ihn wieder erwecken kann. Sind wir doch mal ehrlich. Wir arbeiten wie die Irren, aber keiner sieht es. Wahrscheinlich glaubt auch keiner mehr an uns Elfen und das wundert mich auch nicht. Uns sieht man ja nicht. Alles geschieht im Geheimen, so wie auch beim Weihnachtsmann. Wie sollen die Kinder in der heutigen Zeit da noch an ihn und uns glauben?"
"Und wie willst du das ändern?"
"Nun, wir reisen zu den Kindern und erzählen ihnen von uns. Als ich kürzlich einen von den alten Kellerräumen aufgeräumt habe, fand ich Miniatur- Modelle vom Nordpol, mit all seinen Werkstätten und klitzekleinen Elfen, die darin arbeiteten und einem kleinen Modell vom Weihnachtsmann- Schlitten mit den Rentieren. Die können wir mitnehmen und den Kindern zeigen. Dann glauben sie bestimmt wieder an den Weihnachtsmann. Und an uns vielleicht auch."
Ulfin nickte bedächtig. "Ja, die Idee ist wirklich gut. Aber einpacken kannst du den Glauben dann trotzdem noch nicht."
"Doch, dass kann ich", behauptete Gideon und ganz leise erklärte er den anderen seinen Plan.
Während er redete, begann ein Gesicht nach dem anderen zu strahlen und selbst Alfredo musste einsehen, dass Gideons Vorschlag fantastisch war.
Vier Wochen später ...
Der Nordpol wirkte wie ausgestorben. Der Weihnachtsmann war mit seinem Schlitten unterwegs zu den Kindern, denn es war Heiligabend. Die Werkstätten waren leer und alle Elfen schliefen tief und fest ... wirklich alle?
Fünf Elfen schlichen heimlich durch die dunklen Gänge zu einem abgelegen Kellerraum. Aufgeregt tuschelten sie miteinander und warteten ungeduldig darauf, dass der Älteste die Türe öffnete. Endlich konnten sie ihre Überraschung für den Weihnachtsmann vorbereiten. Im ganzen Raum standen winzig kleine Holzkästchen und aus jedem Kästchen schimmerte es golden. Vorsichtig wurden sie von den Elfen geöffnet und die sich darin befindliche Glaskugel wurde an ein dünnes silbernes Band geknüpft. Bald schon erstrahlte der ganze Raum in einem hellen Licht und als endlich alle Glaskugeln befestigt waren, nahmen die Elfen die fast endlos lange Lichterkette und begannen, alle Hallen, Gänge und den große Festsaal damit zu schmücken, so dass es bald keinen Fleck mehr gab, der nicht beleuchtet war. Die ganze Nacht waren sie damit beschäftigt, aber kurz bevor der Weihnachtsmann von seiner Tour zurückkehrte, hatten sie es geschafft.
Der Weihnachtsmann blinzelte erstaunt, als er im Anflug auf den Nordpol war. Eigentlich hätte doch alles dunkel sein müssen, aber stattdessen lag über der ganzen Fläche ein goldener Schimmer. An dem Schlittenlandepunkt standen fünf seiner Elfen. Ulfin, der Älteste nahm in an die Hand und führte ihn durch die nun hell erleuchteten Gänge in den Festsaal zu seinem Sessel. Verwundert hatte sich der Weihnachtsmann die ganze Zeit umgeschaut.
"Was sind denn das alles für Lichter?", fragte er nun endlich als er saß.
"Das, lieber Weihnachtsmann, ist deine Weihnachtsüberraschung. In den Glaskugeln leuchtet das Licht des Glaubens an dich und wir haben es für dich eingefangen, damit du siehst, dass der Glaube an dich ungebrochen besteht."
"Aber wie habt ihr das nur gemacht?"
"Das sollte dir Gideon erklären. Es war seine Idee."
Gideon trat schüchtern hervor und begann zu erzählen: "Wir sind zu allen Kindern gereist und haben von dir und uns berichtet. Manche Kinder glaubten wirklich nicht mehr an dich, aber wir konnten ihren Glauben wiedererwecken. Und jedes Mal wenn ein Kind sagte: "Ich glaube an den Weihnachtsmann", löste sich dieses kleine goldene Licht und wir konnten es in die Glaskugel füllen. Und so ist diese Lichterkette entstanden als Symbol dafür, dass der Glaube an dich immer noch hell erstrahlt."
Der Weihnachtsmann hatte Tränen in den Augen vor Freude, denn ein schöneres Geschenk hätte man ihm nicht machen können.


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Eingereicht am 09. Januar 2007.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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