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Weihnachtsgeschichten Weihnachten Kurzgeschichte Advent Weihnachtsmann weihnachtliche Geschichten

Göran

© Cornelia Husemann-Bayat


Weihnachtsgeschichten
unserer Autoren
Jedes Jahr, wenn's auf der Erde wieder um die Weihnachtszeit herum ist, wird Göran ganz wuselig und läuft zum Kristallgebirge, wo er stundenlang sitzt und in den Himmel starrt. Er hat nämlich in seinem Leben etwas ganz Besonderes erlebt.
Aber ich fang mal wieder am besten ganz von vorne an.
Also:
Göran ist ein Schlittenhund. Ganz tief, im Herzen von Alaska, wurde er am 10. Dezember nachts geboren. Zuerst war er ganz blind und konnte seine Umgebung nur riechen und fühlen. Görans Mutter, Paka, war eine erfahrene Schlittenhündin und hatte schon viele Welpen großgezogen. Aber nun war sie alt, und Göran war der einzige Welpe den sie geboren hatte. Doch er fühlte sich nicht wirklich allein. Außer seiner Mutter war da noch ein kleiner Junge. Dieser Junge hieß Keno. Sein Vater hatte ihm den kleinen Welpen geschenkt und ihm gesagt, dies wäre nun sein erster eigener Hund und er müsse ganz allein für ihn sorgen.
Und das hat Keno auch ganz ernst genommen. Zuerst hat er sich nämlich einmal mit seinem Vater gestritten. Das war vorher noch nie passiert, und sein Vater war auch ziemlich, na sagen wir, überrascht darüber.
Keno wollte nämlich unbedingt dass Paka und ihr Welpe ins Haus kommen, weil's da viel wärmer und gemütlicher war. Keno's Vater war aber strikt dagegen und hat gemeint: " Ein Schlittenhund muss draußen sein, damit er bei der Arbeit nicht friert." Und außerdem wär's im Haus sowieso zu warm für die Hunde und…., na ja, was Väter eben immer sagen wenn Kinder ihren Hund ins Zimmer nehmen wollen.
Also hatte Keno Paka und ihren kleinen Welpen einfach ins Haus geschmuggelt und unter seinem Bett versteckt. Natürlich haben die Eltern das gemerkt und deshalb gab es dann diesen ziemlichen Krach.
Aber Keno's Mutter war eine sehr kluge Frau und hat den beiden "Streithähnen" einen Kompromissvorschlag gemacht.
"Wie wäre es denn" hatte sie gesagt, "wenn Keno die Beiden auf den Spitzboden bringt. Dort sind sie im Haus, Keno braucht auch nicht immer nach draußen zu laufen wenn er nach ihnen schauen möchte, und oben ist es auch nicht so warm wie unten am Kamin. Denn das weißt du ja auch Keno, für Schlittenhunde mit ihrem dicken Fell, ist es wirklich nicht gut in zu warmen Räumen zu sein. Schließlich können sie sich draußen bei der Arbeit ja keinen Mantel anziehen."
Na ja, die beiden "Männer" haben sich angegrinst, wieder einmal völlig platt über ihre weise Hausherrin und haben es, wie immer, genauso gemacht.
Also zogen Paka und ihr Welpe Göran auf den Spitzboden.
Keno hatte dort ein richtiges Nest mit Heu und Stroh gebaut und die Hunde fühlten sich dort auf Anhieb wohl. Ein großes Dachfenster ließ den Blick frei auf einen wundervollen Winterhimmel.
Göran konnte allerdings immer noch nicht sehen, aber seine Augen begannen langsam sich zu öffnen.
Es ging auf den heiligen Abend zu und alle Menschen im Dorf waren schrecklich aufgeregt. Die Strassen wurden geschmückt, der riesige Baum auf dem Marktplatz strahlte hell von all den Kerzengirlanden, und aus allen Häusern roch es einfach nur lecker. Auch Keno's Eltern waren an diesem Abend im Dorf, um bei den Vorbereitungen für das Fest zu helfen.
Keno hatte tagsüber seinem Vater bei allen möglichen Arbeiten geholfen.
Beim Holzhacken hatte er die Scheite sortiert, einige auch ins Haus getragen, er hatte sein Zimmer aufgeräumt ( es war schließlich Weihnachten und man kann nie wissen…), und in der Küche hatte er sogar beim Kuchenbacken geholfen.
Jetzt saß er, in eine dicke Decke gewickelt, und mit einem riesigen Becher heißer Schokolade, den seine Mutter noch schnell für ihn gemacht hatte, schläfrig in einem Schaukelstuhl auf dem Dachboden bei seinen Hunden.
Draußen war es bereits stockdunkel, nur am Himmel konnte man wunderbare Lichter sehen, die Nachtlichter heißen. Sein Vater hatte ihm auch den richtigen Namen gesagt, Aurelia dingsbums oder so, aber den hatte Keno gleich wieder vergessen.
War ihm auch egal, er saß einfach nur da, starrte die Lichter und Sterne an, und hatte dabei seinen Welpen im Arm.
Und dann geschah es.
Plötzlich wurde der Himmel an einigen Stellen noch heller. Es sah aus, als hätte Jemand aus lauter Sternen eine Strasse gebaut. Keno rieb sich die Augen. Was war denn das? Noch dazu hörte es sich an als kämen Glöckchen immer näher.
Und dann konnte er es erkennen. Ja wirklich, es war ein Rentierschlitten. Mit Geschenken drauf, und auf dem Bock saß der Weihnachtsmann.
Etwas in Keno's Kopf sagte zwar immer noch völliger Quatsch, aber trotzdem war es da und kam immer näher. Zum Schluss landete es doch tatsächlich draußen im Hof vor der Haustür.
Keno rannte nach unten und raus auf den Hof und hatte dabei gleich zwei Dinge vergessen. 1. seine Jacke anzuziehen und 2. dass er immer noch Göran unterm Arm hatte.
Als er die Haustür aufriss stand der Weihnachtsmann schon davor und wollte gerade anklopfen.
"hallolalo ichbinkno bissu wirklich weihnmannnachts?" stammelte sich Keno eine Frage zurecht.
Der Weihnachtsmann konnte sich vor Lachen kaum seinen dicken Bauch halten.
Es war aber auch zu komisch. Da stand ein kleiner Junge in der Haustür und hatte eine Decke irgendwie um sich herum gewickelt, die über und über mit Kakao bekleckert war. Unter dem einen Arm hatte einen kleinen Hundewelpen, und in der anderen Hand eine leere Tasse. Und dieser Junge versuchte irgendetwas zu sagen und heraus kam immer wieder ein unmöglicher Wortsalat.
Gerade sagte er: "dassis Grän mein Hund, eris noch kanz glein un meine Eltern sinauchnichda."
"Darf ich ausnahmsweise einmal durch die Tür hereinkommen"? fragte der Weihnachtsmann, " ich habe eine große Bitte an dich".
Keno riss die Tür soweit auf dass sie prompt hinten vor die Wand knallte und einen Fleck an die neue Tapete machte.
Der Weihnachtsmann kam herein und setzte sich an den großen runden Küchentisch.
"Also Keno", sagte er "ich habe eine große Bitte an Dich und Deine Hunde. Jedes Jahr zu Weihnachten bitten mich viele Kinder darum, dass ich Ihnen einen Hund schenken soll. Manche haben schon mal einen Hund gehabt und dann kann ich, nach Rücksprache mit den Eltern, diesen Wunsch manchmal erfüllen. Aber viele Kinder hatten noch nie Hunde und sie wissen gar nicht, wie viel Arbeit so ein Freund auch machen kann. Und du weißt ja, mit den Kindern ist das so: Wenn Erwachsene Ihnen was sagen glauben die es nicht so recht. Und da hab ich mir überlegt, dass es vielleicht eine gute Idee ist, wenn ich ein Kind mit auf meine Reise nehme, das einen Hund hat, für den es sich auch wirklich einsetzt. Ich habe heute deinen Streit mit deinem Vater gehört und gemerkt, wie sehr du für deinen Hund gekämpft hast. Und da hab ich mir gedacht dass du der Richtige wärst, um mit mir zu den Kindern zu fahren und ihnen etwas darüber zu erzählen, wie es ist, selbst einen Hund zu haben. Was meinst Du, hast du Lust dazu? Paka und Göran nehmen wir mit."
Keno hatte die ganze Zeit als der Weihnachtsmann sprach mit offenem Mund dagesessen. Nun klappte er mit einem lauten Plopp den Mund wieder zu und stammelte: "Mitfahren, im Schlitten, durch die Luft, wie schnell, wann sind wir wieder da, meine Eltern und und ."
Der Weihnachtsmann schmunzelte. "Keine Sorge Keno. In der Zeit, wenn wir unterwegs sind, bleibt die Zeit auf der Erde stehen. Das merkt aber keiner. Wie denkst du kann ich es sonst schaffen alle Geschenke gleichzeitig zu verteilen? Also was ist, hast du Lust?"
Was für eine Frage. Natürlich hatte Keno Lust, auch wenn er immer noch nicht wirklich verstand was da geschah.
Er rief also nach Paka, stieg in den Schlitten und schon ging's los.
Er hatte schon oft mit seinem Vater im Fernsehen Autorennen gesehen und immer gedacht, wie es wohl sein müsse, in so einem schnellen Auto zu sitzen. Das war aber nix im Vergleich zur Weihnachtsmann-Rentier-Reise-Geschwindigkeit.
Die Sterne flogen nur so vorbei und haste nicht gesehen kamen sie am ersten Haus an. Dort wohnte Annika und sie wünschte sich nichts sehnlicher als einen kleinen Hund. Annika schlief schon und der Weihnachtsmann und Keno mussten sie ganz sanft wecken. Und weil es eben Weihnachtszeit ist, hat sich Annika auch nicht gewundert, dass auf ihrem Bett der Weihnachtsmann, ein kleiner Junge, ein großer Hund und ein Welpe saßen.
Und dann kams noch dicker. Plötzlich fing auch noch Paka an zu sprechen. Sie unterhielt sich mit Annika über deren Wunsch einen Hund zu haben. Sie sprach davon wie es sich anfühlt ein Hund zu sein, immer abhängig von den Menschen bei denen er ist. Dass man als Hund fast niemals was allein entscheiden kann und immer sein Leben ganz nach seinen Menschen richten muss. Sie erzählte Annika auch davon, dass es manchmal sehr traurig sein kann, weil ein Hund sehr oft eher stirbt als sein Mensch, und sie erzählte ihr vom Regenbogenland. Auch Keno hörte die ganze Zeit ganz still zu, denn auch er hatte zuvor nie etwas von diesem Land gehört. Aber jetzt war er glücklich davon erfahren zu haben.
Dann erzählte er Annika noch von den vielen Aufgaben und Verpflichtungen, die man hat, wenn man einen eigenen Hund hat. Vom Spazierengehen bei jedem Wetter, vom füttern und tränken, vom Kämmen und Bürsten und so weiter. Aber er erzählte auch wie viel Spaß und Freude die Freundschaft mit einem Hund macht.
Annika hatte sehr brav zugehört. Sie versprach dem Weihnachtsmann alles genau richtig zu machen und wünschte sich auch weiterhin nichts sehnlicher als einen kleinen Hund.
Hier hatte der Weihnachtsmann auch nichts dagegen und morgen früh, unterm Weihnachtsbaum…….
Danach sind der Weihnachtsmann, Keno, Paka und Göran noch bei vielen Kindern gewesen und haben allen vom Leben der Hunde erzählt.
Leider konnte der Weihnachtsmann nicht allen Kindern einen Hund geben. Manchmal lag das an den Kindern, manchmal an etwas anderem. Aber alle Kinder haben in dieser Nacht etwas über Hunde gelernt.
Als sie wieder vor Keno's Haus ankamen, waren alle ziemlich geschafft. Der Weihnachtsmann bedankte sich bei Keno und den Hunden .Dann verabschiedeten sie sich und der Schlitten verschwand mit leisem Gebimmel auf der Sternenstrasse.
Keno wankte nach oben, legte sich in seinen Schaukelstuhl und schlief gleich ein.
Als seine Eltern nach Hause kamen, fanden sie ihn immer noch dort. Auf seinem Schoß saß Göran und starrte mit großen Augen aus dem Fenster in den Himmel, so als ob er dort etwas suchen würde. Er hatte in dieser Nacht seine Augen geöffnet.
Der Vater trug Keno hinunter ins Wohnzimmer und Keno erzählte von seinem seltsamen Traum.
Dabei fielen seine Augen auf einen kleinen Fleck an der neuen Tapete hinter der Tür………
Paka ist im Jahr darauf gestorben, aber Keno und Göran waren nicht ganz so traurig.
Sie dachten an das Regenbogenland.
Keno und Göran haben später jedes Jahr zu Weihnachten einige Zeit zusammen draußen gesessen und in den Himmel geschaut.
Als Göran viele Jahre später starb, wussten beide, dass sie sich im Regenbogenland wieder sehen werden.
Paka ist in der Zwischenzeit mit Keno's Vater über die Regenbogenbrücke gegangen.
Und seitdem Göran hier im Regenbogenland ist, schaut er immer an Weihnachten zum Himmel und wartet …


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Eingereicht am 10. Januar 2007.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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