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Wenn man einen Engel liebt

© Alea Jones


Weihnachtsgeschichten
unserer Autoren
Schweigend sah ich aus dem Fenster und beobachtete die Schneeflocken, die sanft im Wind umher tanzten. Sie bedeckten den Boden mit einer weichen Schneedecke. Ein Seufzen entfuhr mir. Heute war Heiligabend, doch dieser eigentlich besinnliche Tag bedeutete mir rein gar nichts. Was sollte ich auch groß Weihnachten feiern, wenn ich niemanden hatte, mit dem ich feiern konnte? Ich hatte keine Eltern mehr, da sie starben, als ich 18 war und ich war Einzelkind. Andere Verwandte hatte ich nicht und meine große Liebe ließ auf sich warten. Allmählich verlor ich die Hoffnung, dass ich jemals irgendwann so was wie Liebe fühlen würde. Ich seufzte und senkte meinen Blick, ehe ich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Ich zuckte etwas zusammen. Dieses Gefühl war seltsam, doch so voller Wärme. Ich drehte mich um und vor mir stand ein Mann mit blonden kurzen Haaren und warmen braunen Augen. "Wie sind Sie hier her gekommen?", fragte ich und blickte ihm in die Augen. "Ist das nicht unwichtig?", fragte er leise und erwiderte meinen Blick. Ich schüttelte schnell den Kopf. Natürlich war es NICHT unwichtig. "Es ist wichtig, denn wer sagt mir, dass Sie nicht ein Einbrecher sind?" "Ich bin kein Einbrecher, also beruhige dich." Ich schaute ihn an. "Was gibt Ihnen denn das Recht, mich einfach so zu duzen? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich Ihnen die Erlaubnis dazu gegeben habe." "Das brauche ich auch nicht.", erwiderte er und ließ seine Hand auf meiner rechten Schulter ruhen. "Ich bin wegen dir hier und wegen nichts anderem ... Ich spüre, dass du dich Leer und Ausgebrannt fühlst und es tut mir weh dich so zu sehen, Julia..." Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Woher wusste dieser Fremde meinen Namen? "Wer sind sie?", fragte ich unsicher. Mir wurde das langsam richtig unheimlich. Erst kommt ein fremder Mann unbemerkt in meine Wohnung und legt lautlos seine Hand auf meine Schulter und dann kennt er auch noch meinen Namen, ohne dass ich je meinen Namen ihm genannt hatte. Ich bemerkte aber, dass der Blick des jungen Mannes traurig wurde. "Du hast also die Erinnerung an mich wirklich vollständig vergessen, nicht wahr?" Seine braunen Augen zeigten deutlich den Kummer, den er momentan fühlte. Verwirrt legte ich den Kopf schief und schaute ihn an. Irgendwie hatte er ja schon etwas Vertrautes, doch was war es nur? "Ich weiß nicht wovon Sie sprechen.", meinte ich und wich einen Schritt zurück. War mir etwa irgendetwas entgangen? War irgendwas in meinem Leben vorgefallen, was ich vergessen oder verdrängt hatte? Mein Blick war fragend, als ich nun mit etwas zittriger Stimme sagte: "So sagen Sie doch endlich, wovon Sie sprechen!" Man hörte deutlich, dass ich keine weitere Geduld mehr hatte und ihn schon fast anflehte mir die Wahrheit zu sagen. Der junge Mann lächelte schwach und nickte dann langsam. "Ich werde es nicht sagen, aber ich werde es dir zeigen, Julia..." Plötzlich erschien ein so helles Licht in meinem Zimmer, dass ich meine Augen zukneifen musste, doch das Gefühl geblendet zu werden erstarb nicht. Es ging eine seltsame sanfte Wärme von dem Licht aus. "Öffne deine Augen.", hörte ich ihn sagen. Ich nickte leicht und öffnete schließlich die Augen, doch was ich sah ließ mich erstarren. Vor mir stand jener junge Mann, der in meinem Zimmer gestanden hatte. Wir beide waren in Licht gehüllt und es war, als wenn wir in einem Zimmer aus purem weiß-goldenem Licht stehen würden. Ich konnte nicht glauben, was ich da sah, aber mein Gegenüber hatte Flügel! Es waren weiße Engelsflügel. "Du ... du bist ein Engel?", stammelte ich und blickte ihn an, ehe ich fühlte, dass irgendwas in mir wach gerüttelt wurde. Ich begann mich langsam zu erinnern und dann fiel mir alles wieder ein. Sein Name war Andrew und ich bin ihn im letzten Jahr im Dezember begegnet. Wir lachten und weinten gemeinsam in dieser wunderschönen Adventszeit und ich lernte ihn lieben, doch lieben durfte ich ihn nicht, da er ein Engel war. Deshalb hatte er mir anscheinend die Erinnerung genommen ... Wir durften einfach nicht zusammen sein. "Andrew.", hauchte ich leise und meinte blauen Augen füllten sich mit Tränen. Er legte sanft eine Hand auf meine Wange. "Dies ist eigentlich verboten, doch ich wollte dich einfach noch mal wieder sehen, Julia.", erklärte er mir. Nun flossen Tränen über meine Wangen. "Ich will dich nicht verlieren.", flüsterte ich. "Das wirst du nicht, denn auch wenn du mich nicht sehen kannst werde ich immer über dich wachen." Er beugte sich zu mir und küsste mich schließlich ganz sanft auf den Mund. Ich erwiderte den Kuss und schloss die Augen. Ich spürte eine wohlige Wärme, die meinen Körper durchflutete, doch als ich die Augen wieder öffnete, stand ich in meinem Zimmer. Von Andrew fehlte jede Spur. Ich sah mich um. "Andrew?", fragte ich, doch ich erhielt keine Antwort. Ein seufzen entfuhr mir. Anscheinend war es nur eine Art Wunschtraum gewesen, doch als ich zu Boden sah und ich eine schillernde weiße Feder sah wurde ich eines besseren belehrt ... Andrew war bei mir gewesen und würde immer über mich wachen. So bekam ich endlich neue Hoffnung und das Weihnachtsfest bekam eine neue Bedeutung für mich.


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Eingereicht am 19. Januar 2007.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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