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Das Zauberröschen und das Sternenkind

© Simone Ghin-Hilkenbach


Weihnachtsgeschichten
unserer Autoren
Diese Geschichte ereignete sich in einem Wald, irgendwo auf dieser Welt. Es war ein ganz gewöhnlicher Wald; und so war auch Rosalie, das kleine Moosröschen, von dem ich hier erzähle, ein ganz normales Röschen. Rosalie lebte schon lange in diesem Wald. Sie kannte all die Bäume und Sträucher, die Pilze und Früchte und auch alle Tiere ihres Waldes. Die Waldbewohner mochten Rosalie sehr gerne. Sie war hübsch und zurückhaltend. Aber sie hatte ein kleines Problem. Sie war schrecklich schüchtern. Sprach jemand sie an, zuckte sie zusammen und zitterte vor Angst.
Oft traute sie sich gar nicht zu antworten. Wer sie nicht kannte, bekam den Eindruck, sie sei furchtbar eingebildet. Dabei hatte sie ein großes Herz. Die kleine Rosalie war sehr glücklich in dem Wald. Sie liebte die Ruhe und sah gerne den Tieren bei der Arbeit zu. Oft lauschte sie dem Wind und den Geschichten der alten Bäume. Der dicke, alte Baum, der ihr am nächsten stand, war bekannt für seine Erfahrung und Reife. Manchmal kamen die Tiere des Waldes hier zusammen, um wichtige Dinge zu besprechen oder um von ihm zu lernen. Er half ihnen mit seinen Ratschlägen bei ihren Problemen.
Dann begann die Jahreszeit, in der sich die ganze Welt auf Weihnachten vorbereitete. Rosalie wusste über diese Zeit Bescheid. Alle feierten die Geburt des Christuskindes Aber für sie war nun Zeit für den Winterschlaf. Viele Bäume hatten schon ihr Laub verloren und mit dem ersten Frost waren auch die meisten Tiere in ihrem Winterquartier verschwunden. Aber Rosalie blühte auf einmal wie nie zuvor. Sie war schrecklich erschrocken darüber und fürchtete sich.
Und dann machte sie eine Entdeckung, die ihr Leben veränderte. Sie konnte zaubern! Nie zuvor hatte sie es bemerkt. Und auch jetzt schwindelte ihr bei dem Gedanken. Rosalie bemerkte ihre Gabe, als sie ein welkes Blatt beobachtete und sich wünschte, es sei grün. Sofort verwandelte sich das Blatt und war wieder grün. Das war aufregend! Rosalie probierte das Ganze noch mehrere Male. Sie ließ zum Beispiel ein Blatt Papier verschwinden, das ein Besucher achtlos weggeworfen hatte. Und am liebsten hätte sie jedem Lebewesen einen Wunsch erfüllt. Aber sie ängstigte sich auch. Warum wurden ihre Blätter nicht welk? Und was sollte sie schon zaubern? Lange grübelte sie darüber nach. Dann nahm sie allen Mut zusammen und fragte den alten Baum um Rat. Der Baum hatte schon längst bemerkt, dass mit seinem Schützling etwas geschehen war, was keiner erklären konnte. Rosalie sagte:"Lieber Baum! Vielleicht kann ich jetzt allen Tieren helfen, die Probleme haben. Und alle werden glücklich."
"Dummerchen," sagte der Baum.
Rosalie schämte sich. Warum dachte der alte Baum sie sei dumm? Das verstand sie nicht.
Der Baum erklärte ihr: "Wenn jemand Probleme hat, kann ihm ein Ratschlag helfen, Rosalie. Aber man darf das Problem nicht einfach wegzaubern, man muss es lösen. Jedes Lebewesen hat eine Aufgabe. Und die hat es zu bewältigen. Und der liebe Gott gibt dafür jedem die richtigen Fähigkeiten mit. Und wenn du nun eine besondere Gabe bekommen hast, wirst Du auch bald eine Aufgabe finden, bei der Du sie brauchst. Und so lange musst Du Geduld haben und mit deiner Gabe sehr, sehr vorsichtig sein."
Da Rosalie großen Respekt vor dem alten Baum hatte, hörte sie auf seinen Rat. Aber sie machte sich auch viele Gedanken. Warum sollte gerade sie eine solche Gabe besitzen? Und es wurde immer kälter. Der Wald war gefroren und der erste Schnee fiel. Doch Rosalie fror nicht.
Es war alles so eigenartig. Vom vielen Grübeln wurde sie schläfrig. Sie wusste nicht, wie lange sie schon geschlafen hatte, als sie am Himmel ein Leuchten sah, das weder wie ein Stern noch wie der Mond aussah. Das Licht kam immer näher auf sie zu. Rosalie musste die Augen fest zukneifen, so blendete es sie.
Als sie die Augen wieder öffnete, lag ein kleines Wesen neben ihr im Schnee. Das Wesen stand auf und schüttete sich den Schnee von Körper. Rosalie hatte in ihrem ganzen Leben noch nicht etwas so Schönes gesehen. Sie wusste nicht, ob sie träumte oder wach war.
Da begann das kleine Wesen zu sprechen: "Hallo Du, weißt du wo ich hier bin?"
Es dauerte einen Augenblick ehe Rosalie antworten konnte, so überrascht war sie. "Ja, Du bist auf der Erde."
"Auf der Erde?", fragte das Wesen.
"Ja", sagte Rosalie. "Ich habe am Himmel ein Licht gesehen das immer näher kam, und dann warst du hier."
"Dann muss ich wohl runter gefallen sein. Weißt Du, ich bin ein Sternenkind. Wir waren gerade bei den Weihnachtsvorbereitungen. Ich kann mich nicht erinnern, was geschehen ist, nur dass ich plötzlich hier war. Aber wie komme ich jetzt wieder nach Hause?" Das Sternenkind weinte bitterlich. Tränen kullerten über das kleine Gesicht.
Es brach Rosalie fast das Herz. So gerne wollte sie etwas für das Sternchen tun. Doch was? "Oh, du armes Sternenkind, wenn ich dir doch nur irgendwie helfen könnte", sprach sie."
Darf ich dich etwas fragen?" Das Sternekind sah Rosalie fragend an. "Warum blühst du so wunderschön, es ist doch Winter?"
"Oh ,ja,"rief Rosalie",das ist die Lösung!"
Das Sternchen sah sie verwirrt an.
Rosalie sagte: "Ich glaube ich weiß jetzt, wie ich Dir helfen kann."
"Das kannst du wirklich?"
"Aber ja," sagte Rosalie.
Das Sternenkind hüpfte vor Freude
."Hör mir zu. Du musst jetzt ganz fest daran denken, das du nach Hause möchtest."
Das Sternenkind tat, was Rosalie ihm sagte. Sie schlossen beide die Augen und Rosalie konzentrierte sich mit ihrer ganzen Kraft darauf, das Sternchen nach Hause zu bringen.
Als sie ihre Augen wieder öffnete, war das Sternenkind verschwunden. Rosalie blickte zum Himmel. Sie sah ein großes Licht, das langsam immer dunkler wurde. Unser Zauberröschen hatte es geschafft. Das Sternekind war auf dem Weg nach Hause. Rosalie war überglücklich. Endlich verstand sie die Worte des alten Baumes und sie merkte, wie müde sie nun war. Jetzt wurde es wohl auch Zeit für ihren Winterschlaf. Noch einmal blickte sie zum Himmel. Dort leuchten Tausende von Sternen. Und einer davon war ihr Sternenkind. Gerne hätte sie mehr über seine Welt erfahren. Aber das war nicht so wichtig. Wichtiger war ihr, dass sie wirklich helfen konnte.
In den nächsten Jahren dachte Rosalie noch oft an ihr Erlebnis. Doch sie sagte es niemandem. Nur ihr Freund, der Baum kannte ihre Geschichte. Er trug sie weiter und erzählte sie den anderen Bäumen, den Tieren und dem Wind. Und vielleicht wird irgendjemand, der Rosalies Geschichte gehört hat, den Menschenkindern davon erzählen. Und sie werden zu Weihnachten am Himmel einen Stern sehen, der vor lauter Glück heller leuchtet als alle andern.


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Eingereicht am 26. Januar 2007.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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