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Weihnachtsgeschichten Weihnachten Kurzgeschichte Advent Weihnachtsmann weihnachtliche Geschichten

Die zuckersüße Weihnachtsmaus

© Marion Gol


Weihnachtsgeschichten
unserer Autoren
Es war der 30. November und zugleich der 1. Adventssonntag.
Der Zauber der Vorweihnachtszeit hatte auch mich in seinen Bann gezogen. Das Haus war weihnachtlich geschmückt, es roch nach Tannen und selbstgebackenen Keksen, und vor mir auf dem Tisch stand der Adventskranz.
Die Kinder waren im Bett. Martin, mein Mann, hatte sich, wie so oft in den letzten Wochen, in seine Werkstatt zurückgezogen.
"Ich hab noch eine Verabredung mit dem Weihnachtsmann", sagte er, küsste mich und verschwand.
Ich blieb allein im Wohnzimmer zurück. Um mich herum, standen 48 kleine Adventshäuschen, die befüllt werden wollten. Also machte ich mich an die Arbeit.
Es dauerte eine Weile, bis jede Nascherei das passende Haus gefunden hatte. Doch es lohnte sich. Es entstanden zwei Adventsdörfer. Ich betrachtete mein Werk und dachte daran, wie die Augen von Paula und Max am nächsten Morgen funkeln würden.
"Das hast du aber schön gemacht", riss mich Martins Stimme aus meinen Gedanken.
Gemeinsam beseitigten wir das Papierchaos und gingen schlafen.
Als ich am nächsten Morgen die Kinder weckte, liefen sie ohne Umwege ins Wohnzimmer. Mit leuchtenden Augen betrachteten sie ihre Adventskalender. Schnell war das Haus mit der 1 gefunden und noch schneller die Schokolade, die beim Öffnen zum Vorschein kam, im Mund verschwunden.
"Daf ich noch eins aufmachen?", fragte Paula.
Ich lächelte und schüttelte den Kopf. "Du weißt doch, jeden Tag ein Türchen und wenn das letzte Haus leer ist, kommt der Weihnachtsmann." Ich wusste, diesen Satz würde ich bis Heilig Abend noch mehrmals wiederholen.
Jeden Morgen ging nun ein neues Türchen auf und gab seinen süßen Inhalt preis.
Bis .... ja bis eines Morgens hinter der Tür von Max´s Haus keine Leckerei zum Vorschein kam. Auch das hatte ich erwartet.
"Na, wer konnte denn da die Zeit wieder nicht abwarten?", fragte ich mit nicht zu ernster Miene.
"Ich war es nicht!", rief Max.
Mein fragender Blick wandte sich Paula zu, aber auch sie beteuerte ihre Unschuld.
"Na wartet", dachte ich, "euch krieg ich!"
Ich kratzte mich am Kopf und tat so, als würde ich angestrengt nachdenken.
"Hmmm, wenn es von euch Beiden keiner war, dann war es wohl die Weihnachtsmaus", vermutete ich.
Wie aus einem Mund riefen Max und Paula fragend: "Die Weihnachtsmaus?"
"Ja, natürlich, die Weihnachtsmaus! Habe ich euch noch nicht von ihr erzählt?"
Meine kleinen Rabauken schüttelten den Kopf.
"Na, dann will ich euch die Geschichte mal erzählen", begann ich.
Paula und Max machten es sich auf meinem Schoß gemütlich und hörten neugierig zu.
"Also, die Weihnachtsmaus ist eine kleine Maus, die keinen Käse mag. Auch Speck ist nicht nach ihrem Geschmack. Viel lieber isst sie Schokolade und Zuckerzeug. Natürlich ist es schwer, für so eine kleine Maus, an die Leckerein heranzukommen. Doch in der Weihnachtszeit, wenn überall Süßigkeiten herumstehen, schlägt sie sich den Bauch so richtig voll. Sie ist sehr schlau, deshalb hat sie bis heute noch niemand erwischt. Dieses Jahr ist die Weihnachtsmaus wohl bei uns eingezogen."
Ich runzelte die Stirn und zuckte mit den Schultern. Max und Paula schauten mich noch immer gespannt an.
"Tja, da werde ich mich wohl auf die Lauer legen müssen um sie zu erwischen, wenn wir dieses Jahr nicht auf Naschereien verzichten wollen", endete ich schließlich mit meiner Geschichte.
Betroffen und nachdenklich gingen Max und Paula aus dem Zimmer.
Ich aber lächelte zufrieden. Fest in dem Glauben, den beiden eine Lektion erteilt zu haben.
Was ich wirklich damit angerichtet hatte, konnte ich noch nicht ahnen.
Einige Tage später fand ich einen hab ausgepackten, angeknabberten Schokoladenweihnachtsmann im Schrank. Ich rief meine Kinder und wollte wissen, wer von den beiden heimlich genascht hatte.
"Das war bestimmt wieder die Weihnachtsmaus!", erklärte Max und Paula stimmte ihm zu.
Mit offenem Mund ließen mich die beiden stehen. So hatte ich mir das nicht gedacht. Doch es sollte noch schlimmer kommen.
Ich fand eine aufgerissene Packung Marzipankartoffeln. Das war die Weihnachtsmaus.
Die ausgekippten Schokostreusel im Schrank hat natürlich auch die Weihnachtsmaus verursacht.
Die Weihnachtsmaus war verantwortlich für den angebissenen Keks, auf dem bunten Teller.
Alles was verschwand oder aufgerissen war, wurde der Weihnachtsmaus in die Schuhe geschoben.
Was hatte ich da nur angerichtet?
Sogar Martin machte mit.
Am Abend vor dem Weihnachtsfest, freute ich mich auf eine Mozartkugel. Ich hatte sie in meinem Nachttisch versteckt. Ich öffnete die Schublade, doch keine Spur von meiner Mozartkugel.
Mein Verdacht fiel auf Martin. Der jedoch tat unschuldig:
"Das war ich nicht, Schatz. Es war wohl wieder die Weihnachtsmaus", nahm er mich hoch.
Ärgerlich drehte ich mich um. Morgen war Weihnachten, dann hatte dieser Spuk endlich ein Ende.
Am Weihnachtsmorgen kamen Paula und Max ins Wohnzimmer, um ihr letztes Türchen zu öffnen. Doch als Paulas Tür offen war, glaubten wir unseren Augen nicht zu trauen: Im Haus saß, genüsslich an einem Stück Schokolade knabbernd die zuckersüße Weihnachtsmaus!


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Eingereicht am 01. Februar 2007.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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