Unser Buchtipp Weihnachtsgeschichten

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Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise,
bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
21. März 2007

Klaras Gebet

© Lisa Weichart

Heute würden die Eltern nicht streiten, Klara betete ohne es zu merken zum Jesuskind aus Plastik, ihre Händchen streichelten die blasse Haut, das weiche Rund, wonniges Kindlein so winzig wie ihre Hoffnung. Sie hatte es aus der Krippe mit in ihr Zimmer genommen, wenn das echte Christkind käme, würde sie es mit ins Wohnzimmer tragen, sie freute sich so sehr. Der Heilige Abend war immer so schön gewesen, bis Papa plötzlich diesen anderen Mund bekommen hatte, diese harte Stimme, wenn er mit Mama sprach und seit Mama dann weinte und schrie wie Klaras kaputter Blechvogel. Klara wusste nur, Mama war krank mit den Nerven, und Papa hatte eine Freundin, das hatte sie gehört, dabei hatten sie die Gegenwart ihrer Tochter nicht mal bemerkt.

Sie heulte nicht, wollte stark sein für die beiden, damit sie sehen konnten, wie erwachsen sie sein konnte, die sechsjährige Prinzessin. Vernünftig eben.

Da bimmelte silberhell des Christkinds Glöckchen, Klara ging würdevoll mit Jesus los. Glänzend weihnachtlich der Baum, Erinnerungen hingen daran wie Lametta, Engelschöre von CD schwebten frei im Kerzenschein. Mama saß auf dem Sofa, zart, mit Liebe im Blick; Papa stand groß dahinter, dunkel lächelnd, die Arme verschränkt. Sie sangen gemeinsam "zu Bethlehem geboren" und waren Familie in diesem Lied; Maria, Josef, das Kind. Wohlwollend begleiteten die Beiden ihre Auspackaktion, das prächtige rosa Märchenschloss war tatsächlich dabei! Klara strahlte, der Jesus durfte in den ersten Stock, fast nackt, aber sicher freute er sich auch. Stille Nacht, weich lag selbst der Schnee tröstlich am Fenster, wie das Gefühl in der Brust.

Mamas Tabletten wirkten prima, sie lächelte schief, als sie den Stabmixer von Papa auspackte (endlich ein Lächeln wieder!) und auch er blieb schön ruhig, als er den goldenen Whiskey aus dem Goldpapier nestelte. Da lag schwer der Weihnachtsfrieden, gerettet war der Zauber dieser Heiligen Nacht.

Danke, flüsterte Klara zum kleinen göttlichen Freund, der ernst und verloren aus all dem Glitzerzeug blickte, im Glanz sah sie seine Tränen nicht.

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Weihnachtsgeschichten
Dr. Ronald Henss Verlag
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