Weihnachtsgeschichten - Adventsgeschichten
Kurzgeschichte Weihnachten Weihnacht Advent
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Weihnachtsgeschichten Band 2

Weihnachtsgeschichten
Band 2
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-939937-03-6

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Weihnacht der Ausgestoßenen

© Harry G. Sochor

Ein eisiger Wind fegte über das kleine Dorf in der russischen Taiga - Tag und Nacht - schließlich war Winter. Draußen, am Rande des Dorfes, saß ein Mädchen auf dem verschneiten Boden. Es war von der Gemeinschaft ausgestoßen worden, weil es schwachsinnig war. Aber in einem Punkt wenigstens war das Mädchen allen anderen Kindern in der Siedlung überlegen: Es hatte gelernt, in einer unwirtlichen Welt, ganz auf sich allein gestellt, zu überleben. Kein einziger Mensch hatte dem Mädchen jemals wirklich geholfen, es in den Arm genommen, wenn es traurig war, mit ihm gelacht oder gespielt. Nur ab und zu hatte es wenige Sachen geschenkt bekommen, die kein anderer mehr brauchen konnte oder haben wollte. Seitdem ihre Familie tot war, wurde das Mädchen von der Dorfgemeinschaft nur noch widerwillig geduldet.

Frierend, vor Kälte zitternd saß das Mädchen, eingehüllt in eine Decke, auf seinem Bündel. Wenn es doch wenigstens ein Feuer hätte machen können. Aber alle Versuche, mit einem Streichholz eine der beiden Kerzen anzuzünden, scheiterten kläglich daran, dass der Sturm die zarte Flamme aushauchte. Das Mädchen würde diese Nacht wohl nicht überleben, und das Mädchen wusste es.

Von draußen, von der Wildnis her, marschierte eine alte Frau gegen den Wind auf das Dorf zu. Aus dem letzten Dorf war sie verjagt worden. Bettler wurden nicht gerne gesehen, wenn man selbst nicht genug zum Leben hatte. Die alte Frau war noch ärmer als das Mädchen, sie hatte nichts bei sich. Nichts außer zwei Krücken, mit deren Hilfe sie mehr vorwärts stolperte als sie ging. Sie hatte sich innerlich schon darauf eingestellt, dass sie den nächsten Morgen nicht mehr erleben würde, aber eines wollte sie noch erreichen: Wenn sie schon allein und einsam sterben musste, dann sollte der Dorfplatz dieser Siedlung ihr Sterbebett sein. Wenn eine alte Frau zum Sterben verdammt war, nur weil sie durch den Tod ihres Mannes und eine schlechte Ernte alles verloren hatte, was sie besaß, wollte sie wenigstens in der Öffentlichkeit sterben.

Das erste Haus war schon greifbar nahe, als sie mit ihren fast blinden Augen das kleine Mädchen bemerkte. Die Alte ging zu dem Kind. Beide schauten sich stumm in die Augen. Sie verstanden sich auch ohne Worte, denn sie wussten, dass sie einander brauchten, wenn sie diese Nacht überleben wollten.

Mit den Krücken und der Decke bauten sie einen provisorischen Unterschlupf, der sie vor dem schlimmsten Wind schützte. Die geringe Wärme der brennenden Kerze und ihre gegenseitige Nähe halfen ihnen, diese Nacht zu überleben. Es war die Heilige Nacht.

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Eingereicht am
29. März 2007

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