Weihnachtsgeschichten - Adventsgeschichten
Kurzgeschichte Weihnachten Weihnacht Advent
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Annegret und ein schreckliches Weihnachtsfest

© Katharina F.

Wieder einmal ist es Weihnachten, die Geschäfte und Restaurants sind überfüllt. Der Dezember ist für viele Menschen sehr stressig und kaum auszuhalten, aber sie mögen es trotzdem. Annegret ist bestimmt die einzige, die diesem Zauber entflohen ist. Für sie ist diese Jahreszeit wie jede andere, sie macht sich nicht viel aus Weihnachten. Annegret hat schon mit drei Jahren aufgehört, an den Weihnachtsmann zu glauben; im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester, die noch heute an ihn glaubt.

"Und die Weihnachtsgeschenke kann man auch das ganze Jahr lang kaufen und nicht bis zur letzten Minute warten und dann in die Hunderte volle Geschäfte losrennen um das Passende zu finden", denkt sie jedes Mal.

Ihr wäre es natürlich lieber, ganz den Wehnachtsrummel zu entfliehen, aber Annegret tut es wegen ihrer kleinen Tochter nicht, denn ihr macht das alles einen riesen Spaß und sie soll nicht wegen ihren schrecklichen Erfahrungen darauf verzichten.

Diesen Abend wird sie nie vergessen. Anne, wie sie oft genannt wird, war da sieben Jahre und feierte mit ihren Eltern Weihnachten. Sie waren gerade dabei, ihre Geschenke auszupacken, als es an der Tür klingelte.

"Wer könnte es sein, erwartest du jemanden Toby?"

"Nein, nicht das ich wüsste", antwortete er seiner Frau Antonia.

Sie öffnete die Tür und blieb wie angewurzelt stehen. Ein großer Mann kam herein, gab Toby die Hand und stellte sich als Antonias Schulfreund vor. Der Abend verlief sehr langsam, weil kein vernünftiges Gespräch zustande kam. Als die Kinder im Bett waren, verabschiedete sich auch der Unbekannte.

Annegret schlief diese Nacht sehr schlecht, ihre Eltern schrien sich die ganze Zeit an und störten ihren Schlaf. Sie hatte noch nie ihren Vater so böse gesehen, es machte ihr schreckliche Angst. Anne weckte ihre große Schwester, aber sie wollte nicht aufstehen, sondern schubste Annegret aus ihrem Bett, die gerade dahin gekrabbelt war, um Schutz von diesen schrecklichen Worten zu suchen, die ihre Eltern einander sagten. Plötzlich hörte sie ihren Namen, also musste es um sie gehen, dachte sie sich, vielleicht war sie unartig oder ungezogen. Sie nahm sich vor, ab sofort auf ihre Eltern zu hören und ihr Essen nicht mehr wegzuspucken weil es ihr nicht gefiel.

Diesen Morgen war ihr Vater verschwunden, ohne ihr guten Morgen zu wünschen, das kannte sie nicht anders von ihm. Bevor er ging schrie er seine Frau an: "Wenn ich wieder komme, möchte ich sie hier nicht mehr haben. Mir ein Kind unterzujubeln, du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, dass ich es niemals rausfinden würde?"

Annegret wusste natürlich nicht, dass sie in diesem Augenblick gemeint war. Sie war doch heute ganz brav, sie quengelte nicht.

Antonia hatte tränen in den Augen, die sie vor ihren Töchtern versuchte zu verdecken. Ihre große Schwester Gabi bekam auch nichts mit und spielte vergnügt mit ihren Puppen. Nach dem Frühstück ging Antonia in ihr Zimmer und guckte ihre Mutter ganz neugierig an, die gerade dabei war Annegrets Koffer zu packen.

"Mammi, was machst du mit meinen Sachen?"

"Ich packe sie nur zusammen, Liebes, den wir machen einen kleinen Ausflug."

"Kommt Gabi auch mit?"

"Nein Schatz, Gabi bleibt zu Hause."

"Und Papa?"

"Der auch Engelchen, kannst du mir vielleicht helfen und deine drei Lieblingsspielzeuge mir in die Tasche legen, wir wollen sie doch nicht zu Hause vergessen."

Annegret fand die Situation ein bisschen merkwürdig, denn sie und ihre Mutter haben noch nie alleine irgendetwas unternommen, aber sie freute sich trotzdem mit ihrer Mutter Zeit zu verbringen, ohne gestört zu werden. Antonia schaute ihre Tochter traurig an, ihre Augen waren voller Tränen gefüllt.

"Ich muss das durchziehen", sagte sie sich immer wieder.

"Mammi, tut dir etwas weh?"

"Nein Anne, geh lieber dich von deiner Schwester verabschieden."

Sie waren schon ungefähr drei Stunden unterwegs, als Antonia den Wagen vor einem großen Haus anhielt. Annegret öffnete ihre kleinen Augen und schaute ihre Mutter nervös an. Sie mochte keine Hochhäuser und in der Stadt leben wollte sie auf keinen Fall, denn man kann nicht überall spielen, ohne von anderen Leuten oder Autos gestört zu werden, aber für eine kurze Zeit würde sie es natürlich aushalten, ihrer Mutter zu liebe.

"Wo sind wir Mammi, ist hier deine Arbeit?"

"Nein, Anne, es ist eine Überraschung, steig aus."

Annegret wartete sehr lange auf ihre Mutter, ihr schmerzten die Beine und sie hatte einen schrecklichen Hunger.

"Woher kommst du und wo sind deine Eltern?", wurde sie von einer kleinen Frau angesprochen.

"Ich warte auf meine Mutter, sie sucht gerade ein Parkplatz."

"Da bist du nicht die einzige."

Es sind schon viele Monate vergangen, sie sah ihre Mutter nie wieder. Im Waisenhaus bekam sie sofort zu hören, dass sie keine Eltern mehr hat, sie ist ein Waisenkind. Annegret hatte dort keine Freunde gefunden, dass Essen schmeckte ihr grässlich, sie vermisste ihre Eltern und ihre große Schwester. Ihr wurde auch nicht erklärt was es bedeutete ein Waisenkind zu sein, als sie danach fragte. Eigentlich wurden Annes und der anderen Kinder Fragen die beantwortet, aber die Weihnachtszeit war für sie am schlimmsten. Sie schrieb immer den gleichen Wunschzettel.

Lieber Weihnachtsmann ich will wieder zur meiner Mammi und Papi zurück, ich werde auch immer brav sein und auf alle Erwachsenen hören.
Deine Anne

Ihr Wunsch wurde aber nie erfüllt, stattdessen bekam sie ein paar Süßigkeiten und ein kleines Kuscheltier oder einen Malkasten.

Mit neun Jahren wurde sie von einer netten Familie adoptiert. Annegret war ihr ein und alles, denn sie hatten keine eigenen Kinder. Sie bekam immer, was sie haben wollte, besuchte die beste Schule und studierte dann Medizin. Sie feierte aber nie mit ihrer Adoptivfamilie Weihnachten, sie verstanden und unterstützten ihre Entscheidung. Jetzt ist Annegret verheiratet und hat eine kleine Tochter bekommen, sie gab ihr auch die nötige Kraft, Weihnachten auf eine andere Art zu erblicken und zu feiern. Von ihrer Mutter Antonia und Schwester Gabi hat sie bis heute nichts gehört. Sie fühlt sich noch nicht bereit, sie selber zu suchen, aber vielleicht nächsten Weihnachten, wo sie am glücklichsten ist eine Familie zu haben, wie ihre und keiner diese Liebe zerstören kann, auch nicht Annes Vergangenheit, denn es zählt nur die Zukunft.

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Eingereicht am
13. April 2007

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